Bouldern im Zillertal
02. September 2009 in | 4 Kommentare | 48526 Leser
Das Bouldergebiet Zillertal ist der große, österreichische Bruder des Magic Woods. Fichtenwälder und Granitblöcke der Extraklasse zeichnet das Bouldergebiet unweit der Touristenmeile rund um Mayrhofen aus. Der Begriff Bouldergebiet ist aber eigentlich nicht völlig zutreffend, da das Zillertal etliche Bouldergebiete zusammenfasst. Jedes dieser Gebiete hat seinen eigenen Charme und Charakter. Zusammengenommen sind sie DAS Bouldermekka in Österreich. Auf unserem letzten Bouldertrip durch die Alpen blieben wir einige Zeit im Zillertal hängen und ich hatte Zeit genug, ein paar der vielen Sektoren und die Infrastruktur zu erkunden und euch den Zugang zu diesem schönen Bouldergebiet zu erleichtern.
Quicklinks
- Überblick – Bouldern im Zillertal
- Anfahrt
- Karte
- Absprunggelände
- Bewertungen
- Infrastruktur
- Topo
- Zillergrund Wald
- Sundergrund
- Kaseler Alm
- Breitlahner Wald
- Klausen Alm
- Ginzlinger Wald
- Boulderempfehlungen
- Videos
- Links
Überblick – Bouldern im Zillertal
Je nach Gebiet liegen die Blöcke entweder übereinander gestapelt im dichten und teilweise weglosen, kühlen Fichtenwald, oder aber auf absolut ebener Almwiese und in der prallen Sonne. Die Zustiegszeiten halten sich meistens in Grenzen, allerdings können im dichten Fichtenwald teilweise Gefühle wie auch im Magic Wood, was Wegfindung und Bequemlichkeit anbetrifft, aufkommen. Alle Gebiete bieten Kletterei an festen Granitblöcken, die zum Teil abenteuerlich hoch sind. Anders als der Granit z.B. in den anderen, bekannten Bouldergebieten in der Schweiz ist dieser im Zillertal aber abwechslungsreicher und reicht von hell-körnig über gebändert-bunt und orange-kalkig bis hin zu schwarz und glatt. Gesteinstypisch dominiert eindeutig die athletische
Kletterei an Leisten, Slopern, Zangen und Kanten. Insgesamt ist die Kletterei recht steil, aber nicht so wie z.B. im Magic Wood. Das Schwierigkeitsspektrum reicht von sehr leicht bis extrem, deswegen eignet es sich eher auch für Boulderer in den mittleren Graden. Die Bouldergebiete auf den Wiesen sind sehr familienfreundlich. Alle Bouldergebiete im Zillertal detailliert zu beschreiben, würde den Rahmen hier sprengen und überdies gibt es ja das sehr gute und umfassende Topo von Markus Schwaiger, deswegen beschränke ich mich hier auf die wesentlichen Gemeinsamkeiten aller Bouldergebiete und greife stellvertretend die Hauptgebiete Zillergrund, Sundergrund, Kaseler Alm, Ginzling und Breitlahner heraus. Das sollte in jedem Fall reichen, euch einen Eindruck und Überblick über das Bouldern im Zillertal zu verschaffen und euch Appetit zu machen.
Anfahrt
Von Innsbruck aus zweigt die Bundesstraße 169 in Richtung Zillertal/Mayrhofen in das Zillertal ab. Dieser Straße folgt man, bis kurz vor Mayrhofen nach links der Zillergrund ausgeschildert ist. In diesem Seitenarm des Zillertals befinden sich die beiden Hauptgebiete Sundergrund und Zillergrund. Die anderen Gebiete befinden sich weiter hinten im Hauptarm des Zillertals, hinter Mayrhofen Richtung Ginzling/Schlegeisspeicher. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Straße in den Zillergrund mautpflichtig ist. Tagsüber kostet die Fahrt nach oben pro PKW 7,60 EUR, nach 18:00 Uhr ist die Fahrt aber kostenfrei und die Mautstelle ist nicht besetzt. Für die Bouldergebiete in Richtung Ginzling gibt es ebenfalls eine kleine Besonderheit: Ein kostenfreier Einwegetunnel mit 15-minütiger Blockabfertigung sorgt je nach Zufall dafür, dass der an sich kurze Weg 15 Minuten länger dauert als eingeplant. Die Klettergebiete noch weiter hinten in Richtung Schlegeis sind wie auch der Zillergrund mautpflichtig, allerdings ebenfalls nur bis 18:00 Uhr.
Karte
Bouldern im Zillertal auf einer größeren Karte anzeigen
Bewertungen
Bewertet sind die Boulder nach dem Fontainebleau-System. Wir empfanden die Bewertungen der Boulder im Zillertal teilweise als recht hart. Völlig falsch sind die Bewertungen absolut nicht, sondern es gibt hier und da immer mal einen Ausreißer – wie überall.
Absprunggelände
Das Absprunggelände ist auf den Wiesen bei den Almen meistens sehr gut und eben. Im Wald hingegen ist es häufig verblockt und man ist froh über jedes Pad und jeden Spotter. Die Blöcke sind teilweise haushoch und für die harten Projekte ist es teilweise ratsam, ein Seil und Gurt dabei zu haben. Kletterzeug zusätzlich zum Boulderequipment ist sowieso empfehlenswert, da an Regentagen die Kletterwände teilweise noch trocken sind, wo die Boulderblöcke bereits ertrinken.
Infrastruktur
Das Zillertal ist eine Tourismus-Hochburg und dementsprechend ist die Infrastruktur absolute klasse. Seien es Einkaufsmöglichkeiten, Trinkwasser, Gaststätten oder Schwimmbäder, Thermen, Sommerrutschen, … im Zillertal gibt´s alles und das zu erträglichen Preisen und kurzen Fahrzeiten. Selbst einen Aldi - err, ich meine natürlich den Hofer – findet man immer Zillertal mehrfach, sowie auch die Fastfoodkette mit dem goldenen M.
Zum Übernachten gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit teilweise astronomischen, teilweise aber auch ganz moderaten Preisen. Ob Camping oder Luxus – du hast die Wahl! Außerdem gibt es einen kleinen, aber gut sortierten Kletterladen in Zell am Ziller. Was man also nicht vorher besorgt hat, kann man direkt nachkaufen.
Topo
Das aktuellste und detaillierteste Topo “Zillertal – Klettern und Bouldern” stammt von Markus Schwaiger aus dem Jahre 2008. Es beeinhaltet sowohl alle Klettergebiete, alle Bouldermöglichkeiten, als auch Alternativen für Ruhetage. Die aktuellste Version bekommt ihr im guten Fachhandel, oder ihr bestellt es einfach über Amazon.de
Alle Boulder sind mit Fotos versehen, in denen die Linien eingezeichnet wurden, dazu gibt es eine Übersicht über alle Bouldergebiete und Anfahrtsskizzen zu den einzelnen Sektoren, sowie kurze Infos über die Geschichte der einzelnen Gebiete. Was will man mehr?
Außerdem ist ein Online-Topo von einigen Gebieten bei den Stonemonkeys veröffentlicht worden. Ihr könnt die Topos kostenlos herunterladen.
Zillergrund Wald
- Höhe: 1450 Meter
- Anzahl Boulder: ca 700
- Trocknung: 1-2 Tage
- Sonne: Wenig
- Zustieg: 5 Minuten
Das größte Bouldergebiet im Zillertal bietet insgesamt ca. 170 Blöcke und knapp 700 Boulder. Die Blöcke sind im Wald verteilt und liegen an einem steilen Hang auf etwa 1450 Meter Höhe. Nach dem kurzen Zustieg von ca. 5 Minuten läuft man auf einem weichen, moosigen Boden aus Wurzelwerk und Fichtennadeln. Das gesamte Ambiente ähnelt stark dem Bouldergebiet Magic Wood, allerdings gibt es ein deutlich größeres Angebot an Bouldern im mittleren 7ten Bouldergrad – der Schwerpunkt liegt bei fb7a/b/c. Weitaus weniger Betrieb, weniger breite Wege, weniger Müll, Tickmarks und andere Unliebsamkeiten des Bouldervolks lassen den Wald teilweise noch fast unberührt erscheinen. Das zauberhafte Ambiente ist hier jedenfalls noch stärker zu spüren als in der Schweiz. Hoffentlich erkennen dies auch die Massen und schaffen es, sich dies zu bewahren. Durch die Lage im Wald brauchen die Boulder etwa 1-2 Tage, um wieder völlig abzutrocknen, dann eignet sich der Zillergrund aber sehr gut zum Bouldern an heißen Tagen, da die Blöcke recht schattig sind.
Sundergrund
- Höhe: 1450 Meter
- Anzahl Boulder: ca 100
- Trocknung: Wenige Stunden auf der Wiese, 1-2 Tage im Wald
- Sonne: Sehr viel bis wenig, je nach Sektor
- Zustieg: 30 Minuten
Das Gebiet Sundergrund bietet quasi den Aushängeschild-Boulder des Zillertals – Moonwalk, fb7a+. Nach knapp 30-minütigem Fußmarsch ab dem Gasthaus Au erreicht man eine große Wiese, auf der sich die freistehenden, sonnigen Felsblöcke finden. Durch die freistehende Lage trocknen die Felsen sehr schnell ab und wenn die Sonne doch zu sehr bruzzelt, dann finden sich auch einige lohnende Boulderprobleme links des Weges im Wald. Vom Schwierigkeitsgrad her wird jeder fündig, der Schwerpunkt liegt irgendwo zwischen fb6b und fb7b. Der Sektor ist also sehr breitentauglich und das Absprunggelände meistens vorbildlich eben, weich und wenig verblockt. Da sich die Blöcke auf der Wiese befinden, die auch die Kühe nutzen, ist es vielleicht empfehlenswert eine Plane mitzubringen, die man unter die Pads legt. Für die Blöcke im Wald braucht man absolut ein paar Crashpads und Spotter.
Kaseler Alm
- Höhe: 1490 Meter
- Anzahl Boulder: ca 100
- Trocknung: Wenige Stunden
- Sonne: Viel
- Zustieg: 5 Minuten
- Besonderheit: Im Sommer gesperrt!
Die Kaseler Alm ist mit das beliebteste Bouldergebiet im ganzen Zillertal. Wie auch die Blöcke im Sundergrund liegen die Boulder auf einer Wiese und bieten daher perfektes Absprunggelände. Bereits vor mehr als 10 Jahren kletterte Gerhard Hörhager die erste fb8a im ganzen Zillertal. Inzwischen hat sich die Situation für uns Boulderer und leider auch DURCH uns Boulderer etwas verschlechtert: Der Bauer besprüht die Blöcke mit Mist, damit in den Sommermonaten nicht mehr gebouldert, wild geparkt und Müll hinterlassen wird. In den Wintermonaten ist das Bouldern aber toleriert, dennoch MÜSSEN sich die Bouldergäste an die Grundregeln halten. Das heißt:
- Kein Müll
- kein Toilettenpapier
- auf den Wegen bleiben
- kein Lagerfeuer
- kein wildes Campen
- und am wichtigsten Verstand einschalten!
Breitlahner Wald
- Höhe: 1350 Meter
- Anzahl Boulder: ca 60
- Trocknung: Mehrere Stunden bis 1 Tag
- Sonne: Wenig
- Zustieg: 10-15 Minuten
Den Breitlahner Wald erreicht man von Ginzling kommend in Richtung Schlegeis bis zum Gasthaus Breitlahner. Hier zu parken ist kostenpflichtig(4,- pro Tag), alternativ kann man auch den knapp 500m weiter unten gelegenen Parkplatz für Kletterer bei dem Klettergebiet “Ewige Jagdgründe” nutzen. Vom Gasthaus Breitlahner erreicht man das im Fichtenwald gelegene Gebiet in etwa 10-15 Minuten Fußmarsch. Ähnlich wie auch der Zillergrund eignet sich das Breitlahner Gebiet gut an sehr sonnigen Tagen, da wenig Sonne auf die Felsen fällt. Oft weht aber ein schöner Wind, der die Felsen recht schnell abtrocknet und auch an heissen Tagen für gute Bedingungen sorgt. Im Gegenteil zum Zillergrund lässt es sich hier angenehmer von Fels zu Fels ziehen, da es ganz brauchbare Wege gibt und die Blöcke nicht so chaotisch herumliegen. Das Absprunggelände ist dennoch teilweise recht abenteuerlich, deswegen reicht auch ein Teppich als Crashpad in den seltensten Fällen aus. Nach dem Bouldern empfiehlt sich die Einkehr in das Gasthaus Breitlahner auf 1-x Kaltgetränke.
Klausen Alm
- Höhe: 1350 Meter
- Anzahl Boulder: ca 50
- Trocknung: Wenige Stunden
- Sonne: Viel
- Zustieg: 15-20 Minuten
Das Bouldergebiet Klausen Alm befindet sich knapp oberhalb des Breitlahner Gebietes. Beide Gebiete fließen fast ineinander über, dennoch ist der Charakter sehr unterschiedlich. Die Klausen Alm ist bereits am Gasthaus Breitlahner ausgeschildert und in etwa 15-20 Minuten erreichbar. Die Blöcke sind absolut freistehend und sehr sonnig ausgerichtet. Nach einem nächtlichem Regenguss findet man an der Klausener Alm gute Bedingungen, um die Zeit, bis die Breitlahner Blöcke abgetrocknet sind, zu überbrücken. Einige Blöcke befinden sich direkt am Wanderweg zur Berliner Hütte, so dass man mit einigen neugierigen Blicken rechnen muss und sozusagen auf dem Präsentierteller bouldert. Auf jeden Fall findet man genug Gelegenheiten, das schlechte Image der Boulderer zu widerlegen und auch zum 20igsten Male freundlich zu erklären, was man hier tue und abzustreiten, dass man für die großen Berge trainiere… Etwas weiter hinten gelegen gibt es aber auch abgelegenere Felsen.
Ginzlinger Wald
- Höhe:1050 Meter
- Anzahl Boulder: ca. 80
- Trocknung: 1 Tag
- Sonne: Wenig
- Zustieg: 5 Minuten
Das Bouldergebiet direkt in Ginzling ist das älteste im ganzen Zillertal. Gute, kurze Wege, viele Boulder unterhalb von fb7a und einige darüber machen das Gebiet sehr familienfreundlich. Teilweise sind die Boulder schon recht abgegriffen, aber dennoch ist das Bouldergebiet immer noch ein Highlight. Hier finden sich einige Klassiker, wie z.B. “Ginzling Extrem”, “Sundance” und “Incubator”. Parken kann man direkt bei der Gastwirtschaft und folgt von dort den Wegweisern in Richtung Klettergebiet Nasenwand. Die Blöcke liegen im Wald verstreut und sind teilweise voll sonnig, teilweise auch voll schattig, so dass man eigentlich den gesamten Bouldertag dort gut verbringen kann. Ein konstantes, laues Lüftchen sorgt für guten Grip, auch wenn einige der Boulder trotzdem länger nass bleiben.
Boulderempfehlungen
Für das Zillertal möchte ich euch keine Empfehlungen für einzelne Boulder aussprechen. Es gibt sooo unglaublich viele Boulder, dass bestimmt jeder von euch sein ganz persönliches Glanzstück finden wird.
Videos
Videos sind aktuell offline
Links
- Markus Schwaiger Homepage
- Stonemonkeys – Bouldern im Chillertal
- klettershop-zillertal.at
- Climax – das österreichische Magazin für Kletter und Boulderer










RokLetter abonnieren
Folge mir bei Twitter





[...] Gebietsinfos Bouldern im Zillertal [...]
[...] Marc hat ein Zillertal Special zum Bouldern online gestellt. DIA am [...]
hey,
vielen dank für den artikel. da ich im nächsten jahr ins allgäu ziehe, wollte ich da öfter mal hin. jetzt bin ich da noch heisser drauf als zuvor ;0)
gruß.
Hey guys,I´ve a question about Kaseler Alm. I have visited the area few days ago and the boulders without paling were dirty from muck (exactly as you´re writing in the article). But there were quite a lot of them with the paling which should protect it against cows. How is it here with climbing during sommer tough?
Thank you for requesting!