Bouldern am Blausee, Mitholz, Kandersteg

13. April 2010 in Fotos, RokBlog  |  6 Kommentare  |  53486 Leser
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Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß

Bzw. Zebra-Safari im Berner Oberland! Das vergangene Wochenende verbrachten Alex und ich in einem hierzulande recht unbekannten Bouldergebiet mit fantastischer Felsstruktur. Die einzigartig weiß-schwarz gebänderten Sandstein-Kalk-Blöcke wurden mir auf meinen letzten Bouldertrips ins Tessin zwar schon mehrfach empfohlen, aber irgendwie entschieden wir uns doch immer gegen die Bouldergebiete bei Kandersteg diesseits der Alpen. Jetzt stimmte alles: Die Bedingungen waren gut gemeldet, meine Finger fühlten sich wieder fit genug zum Knüppeln an, ein neues Weitwinkelobjektiv steckt auf der Kamera und ich habe Lust darauf Neuland zu erkunden! Gefunden haben wir ein kleines, einzigartiges und familiäres Bouldergebiet mit riesigem Potential für die kommenden Jahrzehnte, dass bisher nur angekratzt wurde…

Quicklinks

Einzigartiger Fels am Blausee

Einzigartiger Fels am Blausee

Bouldertrip nach Blausee, Mitholz, Universum

Perfektes Wetter

Perfektes Wetter

Der üble Alex

Der üble Alex

Donnerstag Nacht gehts los: Gegen 20 Uhr starten wir in Richtung Kandersteg, um 3 Uhr legen wir uns pennen – aber nicht für lange! Ab 6 Uhr rächt sich die Macadamiacreme in Alex’ Magen und will raus! Gepeinigt und im Delirium der Übelkeit herrscht am Freitag also erstmal absolute Lazarett-Stimmung! Wenigstens ist das Wetter super und Dank der sehr guten Infrastruktur in Kandersteg können wir auch ohne langes Suchen Medikamente und andere nützliche Dinge auftreiben. Nachdem die Arznei wirkt und sich Alex’ Zustand etwas stabilisierte, wage ich einen kleinen Erkundungsausflug in das jüngste Bouldergebiet bei Kandersteg, das Universum”. Etwa 15 Minuten vom Bahnhof befindet sich das kleines Paradies aus Felsblöcken. In einem noch sehr wilden Tannenwald liegen die recht hohen Blöcke inmitten einer

Blausee bouldern

Blausee bouldern

Blausee bouldern

Blausee bouldern

flauschigen Mooslandschaft. Unweigerlich erinnert mich das Ambiente ans Magic Wood, wie es dort wohl vor etwa 15 Jahren ausgesehen haben muss. Bisher gibt es hier nur sehr wenige geputzte Linien – das Bouldergebiet ist noch total ursprünglich und naturbelassen.
Zurück am Auto hat sich Alex’ nochmals gebessert und wir können gemeinsam das nächste Bouldergebiet besuchen. Bei “Mitholz” finden wir ein Bouldergebiet im Tannenwald ähnlich dem “Universum”. Moosig-flauschig, sehr wild und weglos, aber mit ein paar mehr geputzten Linien. Die Felsstruktur ist hier nochmals markanter und das Potential – einfach atemberaubend. So fit ist Alex noch nicht auf den Beinen und mich killt inzwischen die Migräne, die sich langsam, aber stetig den Tag über aufbaute und inzwischen zu einem bohrenden Schmerz wurde. Bereits um 18 Uhr gehts also ohne Essen ratzen, damit wir für die kommenden Bouldertage wieder fit sind.

Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß

The Shield

The Shield

Der nächste Tag hat ebenfalls bestes Wetter für uns bereit und nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir ins Erholungs- und Bouldergebiet “Blausee”. Anders als in den beiden anderen Gebieten liegen hier die Boulder in einem Laubwald, in der aktuellen Jahreszeit ist alles lichter und in den vorderen Sektoren gibt auch kaum Moos am Boden und auf den Blöcken. Das Bouldergebiet “Blausee” ist das älteste und erschlossenste Gebiet in der Nähe von Kandersteg. Wir machen uns warm, dann gehts an die ersten “richtigen” Boulder. “The Shield” wartet mit einem üblen Längenheiner direkt am Start. Alex tanzt trotz flauem Magen direkt im Flash zum Topout. Ich benötige ein paar Versuche mehr, kann dann aber auch den Tophenkel anspringen. Nach einer

Blausee bouldern

Blausee bouldern

Spannungsabfall

Spannungsabfall

kleinen Erkundungstour durch die Sektoren lassen wir uns am “Drytooling-Block” nieder. Namensgebend für den hausgroßen Block ist, dass ein paar Spezialisten vor Jahren an diesem Block mit Eisgeräten zugange waren, die empfindliche Oberfläche gehörig verkratzten und mit Bohrlöchern perforierten. Leider kann man auch heute noch diese Dummheit bewundern, aber die Boulder sind allesamt spitzenmäßig, was den Frevel fast vergessen lässt! Wir bouldern den “Spannungsabfall” und Alex kommt wieder zu Kräften. In knappen 3 Stunden hat er dann auch “12 eighty”, “Captain Blaubär” und “Schwarz auf Weiß” abgeräumt. Wärenddessen versuche ich verzweifelt “12 eighty”, vertraue aber noch nicht so recht meinen Fingern. Die vergangenen Monate liefen bei mir gar nicht gut: Ständige Fingerprobleme,

Blausee Bouldern

Blausee Bouldern

Blausee bouldern

Blausee bouldern

Energielosigkeit und dann auch als Folge null Selbstvertrauen mehr. Die Einzelzüge klappen dann zwar nach ner Weile, aber der Durchstieg ist unmöglich mit diesen Ärmchen. Alex widmet sich derweil dem härtesten Boulder im ganzen Gebiet – “Ex Aquo” ist ein echtes Ausdauerbrett und obwohl alle Züge gut klappen, gelingt ihm der Durchstieg nicht. Ziemlich erschöpft erkunden wir noch die Gegend und lassen dann den Abend bei gutem und reichlich Essen ausklingen.

Der nächste Morgen sieht fies aus: Leichter Schnee, niedrige Wolken und kriechende Kälte wollen nicht so wirklich die super Boulderstimmung aufkommen lassen. Egal – letzter Tag – heute muss es noch krachen! Wir ziehen wieder zum “Blausee” und versuchen uns in einer 6a aufzuwärmen – klappt aber gar nicht gut und auch die 6b daneben schenkt es uns übel ein! Ich

Banane

Banane

See Barbarella do her Thing

See Barbarella do her Thing

brauche zig Versuche und bei Alex läufts auch nicht viel besser. Also erstmal ein paar Fotos machen, Haut und Kraft schonen und Abwarten. Nach zwei Stunden sind dann die Boulder-Lebensgeister auch wieder zurück. Wir ziehen an “Marathonman” und “Banane” und sind beide recht schnell erfolgreich. Inzwischen ist es auch wieder sonniger und freundlicher, deswegen widmen wir uns erneut unseren beiden Projekten des Vortages. Alex macht sich an “Ex Aquo” und ich gehe wieder zurück an “12 eighty”. Bereits im ersten Versuch kann ich die lange Linie durchholzen – da geht was! Die Finger sind fit – ich kann endlich wieder knüppeln!!! Direkt im Anschluß gelingt mir noch “Captain Blaubär”, weswegen

Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß

Captain Blaubär

Captain Blaubär

ich total motiviert an “Schwarz auf Weiß” gehe. Eigentlich absolut vermessen, wenn ich die fiese Talsohle der vergangenen Monate bedenke, aber vielleicht ist jetzt einfach ein guter Moment – die Welle möchte ich reiten! Während Alex mit “Ex Aquo” kämpft, bouldere ich mir eine Beta für “Schwarz auf Weiß” aus und nach 2 Stunden habe ich alle Züge entschlüsselt. Total euphorisiert starte ich direkt einen Durchstiegsversuch, der dann auch natürlich nicht klappt! Während ich Kraft sammele und meine matschige Fingerhaut an den kalten Steinen kühle, hackt Alex noch “See Barbarella do her thing” weg. Nach 30 Minuten Pause, mit eisigen Fingern und guter Haut spule ich das inzwischen einstudierte Programm ab und habe den Tophenkel in der Hand. So geil – ich bin wieder da! Seit Monaten warte ich auf dieses Gefühl – hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, dass nichts mehr geht. Bewertungen hin oder her, technische Beta so oder so – ich bin so glücklich endlich mal wieder uneingeschränkt alles geben zu können, da ist der Durchstieg schon fast Nebensache!

Alex zieht es noch zur “Flotten Lotte” und zur “Geilen Grete”, von den beiden Mädels erweißt sich eine aber als besonders abweisend, die andere lässt Alex gewähren ;)
Vollends gepeinigt, aber sehr zufrieden treten wir die Heimreise an. Alle von uns versuchten Boulder sind absolute “All Thumbs Up – Boulder” und auf der Heimreise schmieden wir bereits Pläne für die nächsten Besuche!

Info über die Bouldergebiete bei Kandersteg

Zebrafels am Blausee

Zebrafels am Blausee

Die Bouldergebiete um Kandersteg herum sind sehr kleine, familiäre Boulderspots, die in wildem, natürlichem Ambiente erhalten und noch für die meisten Boulderer uninteressant sind. Dieser Charakter muss auch bestehen bleiben! Die Qualität der Boulder ist aber spitzenklasse! Das Gestein ist ein eigenartiges, einzigartiges Gemisch, das sich wohl am besten mit “schwarz-weiß-gebändertem-rissigem-kalk-sandstein” beschreiben lässt. Entsprechend vielseitig sind auch die Griffformen und Texturen. Allgemein ist die Textur wohl die optimale Mischung zwischen Reibung und Hautvernichtung. Ich habe es bisher erst ganz selten erlebt, vor Felsen zu stehen die mich unweigerlich dazu zwingen alles anzufassen und neugierig zu ertasten wie sich das wohl anfühlt!

Impression vom Blausee

Impression vom Blausee

Auf einer Länge von etwa 10 Kilometern fließt ein Bouldergebiet in das nächste. Das Potential für Neuland lässt sich also ganz entspannt mit UNGLAUBLICH bezeichnen. In Kandersteg stehen die Zeichen gut, in den nächsten paar Jahren zum neuen Boulderparadies – nicht nur für das Berner Oberland – zu avancieren. Bisher ist erst ein winziger Bruchteil erschlossen worden und die Gebiete eignen sich nicht für Konsumterroristen, die einen Boulder nach dem anderen wegsaugen wollen! Die Herangehensweise ist noch eine ganz andere und für viele werden die Bouldergebiete erst in Jahren interessant werden.

Bouldern bei Kandersteg

Bouldern bei Kandersteg

Insgesamt gibt es vielleicht 100 fertige Boulder, die teilweise aber auch immer mal wieder nachgeputzt werden müssen, da sie schnell vermoosen. Die Bewertungen sind noch etwas schwammig, da die meisten Boulder noch nicht sooo viele Begehungen gesehen haben und evtl. auch noch nicht die leichtesten Lösungen gefunden wurden.
Das Absprunggelände ist meistens sehr gut und ab dem 6b/c Grad kann man schöne Tage verbringen auch wenn sich in diesem Grad bisher in Fontainebleau deutlich mehr und auch noch lohnendere Boulderprobleme finden.
Ich bin extrem gespannt, wohin sich die Bouldergebiete rund um Kandersteg in den nächsten, sagen wir 10 Jahren hin entwickelt haben!

Klima

Felsen in Mitholz

Felsen in Mitholz

Die Bouldergebiete liegen auf etwa 800-1100 MüM und eignen sich daher gut für den Herbst und das Frühjahr. Im Sommer spenden die Bäume Schatten, nehmen dann aber auch den trocknenden Wind. Durch den sehr moosigen Boden, der Wasser wie ein Schwamm speichert, bleiben die Blöcke teilweise länger feucht. Besonders dann sollte man aufpassen, dass man nicht die filigranen Strukturen aus der Wand reisst, sondern lieber noch 2-3 Tage trockenes Wetter abwarten.

Infrastruktur & Anreise

Bouldern bei Kandersteg

Bouldern bei Kandersteg

Die Infrastruktur ist gut: In Kandersteg gibt es alles -Supermärkte, Metzgereien, Bäckereien, Hotels, Campingplätze, Restaurants, Pizzerien, Apotheken, usw. Durch die gute Zuganbindung ist Kandersteg auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Für den Nahverkehr zwischen den einzelnen Gebieten gibt es öffentliche Busse. Die Anfahrt mit dem Auto ist unproblematisch, aber die Parkregelungen müssen unbedingt eingehalten werden.

Regeln

Kandersteg

Kandersteg

Impression Kandersteg

Impression Kandersteg

Die meisten Gebiete befinden sich auf Privatgrund, deswegen ist es ABSOLUT NOTWENDIG alle existierenden Regeln strikt zu befolgen und nicht den Charakter dieser jungfräulichen Gebiete zu verändern. Die Landbesitzer wohnen auch nicht irgendwo, sondern direkt bei den Blöcken. Hier ist also Konsum und Grölen absolut fehl am Platz! Fast alle Boulderer dort kennen sich gut untereinander und dementsprechend ist die Stimmung sehr familiär – das ist toll und wünschenswert! Bereits die Zustiege gestalten sich derart, dass man sozusagen bei fremden Leuten durch die Vorgärten läuft. Wer hierbei nicht bereits ein “mulmiges” Gefühl von “Gastsein” spürt, sollte besser gleich wieder umdrehen und woanders hin gehen! Das Bouldergebiet “Universum” ist wohl am unproblematischsten. Auch wenn das Potential für Neuland insgesamt sehr groß ist, gibt es eindeutige Erschließungsregeln an die man sich zu halten hat. Dies gilt auch für die bisher veröffentlichten Projekte: Hinkommen und “fremde” Projekte Abhaken ist kein guter Stil, selbst wenn diese durchaus für einen machbar wären! Also erkundigt euch unbedingt VORHER!

Topos und Infos

Wolfgang Antz veröffentlicht auf seiner Webseite bimano.ch die neuesten Topos und Infos über die verschiedenen Bouldergebiete. Auf seiner herausragend informativen Seite MUSS man sich vorher gründlich über die Situation erkundigen und in die Gebiete “einlesen” bevor man an einen Besuch denkt.

Videos

Bouldern am Blausee
YouTube Bouldern am Blausee

Bouldern am Blausee
Vimeo Bouldern am Blausee

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6 Antworten zu “Bouldern am Blausee, Mitholz, Kandersteg”

  1. lolo sagt:

    wie ein echter ROCKSTAR!

    erst lässt er sein publikum warten – aber dann kurz bevor die stimmung schon zu kippen droht
    meldet er sich zurück mit einem guten artikel – bemerkenswerten erfolgen und atemberaubenden fotos!

    big up

    word

  2. ctw sagt:

    gratulation zum neuen weitwinkel – die fotos der tour sind wahnsinn…
    darf ich fragen welche kamera/objektiv kombi du verwendest?
    lg aus wien

  3. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Marc Stellbogen erwähnt. Marc Stellbogen sagte: RokBlog.de – Bouldern am Blausee, Mitholz, Kandersteg – http://bit.ly/aKjtC9 [...]

  4. @ctw:
    Servus,

    ich benutze eine Canon 40D, einen Canon Speedlite 580EX II, einen Canon Speedlite 430 EX II und als Objektiv das Tokina 12-24 f/4.0
    Tiefenschärfe usw. ist damit natürlich so eine Sache. Ohne Bearbeitung ist da nix :)

    Schönen Gruss aus Wiesbaden,
    Marc

  5. tanja sagt:

    hallöchen
    schön zu hören dass es dir und deinen Fingern wieder besser geht:-) die fotos sind toll geworden, gute bearbeitung! und der fels sieht echt hammermäßig aus…
    liebe grüße aus köln
    tanja

  6. Alex sagt:

    Heyo,

    das Gebiet ist zwar noch recht klein, aber qualitativ auf jeden fall mit das beste, was ich bisher gesehen habe!
    Den Fels kann man wirklich als “die optimale Mischung zwischen Reibung und Hautvernichtung” beschreiben.
    Ich hatte selten am zweiten Bouldertag so gleichmäßige, perfekte Haut an den Fingern!
    Und die Farben und Formen der Blöcke vermitteln fast das Gefühl “auf nem Trip” zu sein :-)

    Viele Grüße
    Alex

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