Testbericht: Five Ten Team Kletterschuh
04. Februar 2010 in Infos, Tests und Tipps | 13 Kommentare | 7392 LeserAuf vielen Fotos der vergangenen Monate war er bereits zu sehen, offizielle Premiere war auf der Outdoor 2009 und es gibt wohl kaum einen Kletterschuh über den bereits im Vorfeld soviel spekuliert wurde, wie über den TEAM von Five Ten. Jetzt ist es soweit und die neue Waffe ist in Europa und seit heute zu kaufen. Die Team Athleten von Five Ten wie Paul Robinson, Dave Graham, Kevin Jorgeson, Jon Cardwell ua. haben bei der Entwicklung mitgewirkt und angeblich einen perfekten Boulder- und Kletterschuh entworfen. Der neue Kletterschuh-Bolide wurde zunächst als Limited Edition geplant und sollte auf lediglich 510 Stück weltweit begrenzt sein. Was dran ist an dem neuen Kletterschuh, für welche Arten von Klettern, Bouldern und Fels er sich optimal eignet und ob er sein Geld wert ist – RokBlog hat den TEAM Kletterschuh für euch ausführlich gecheckt und auf Herz und Nieren geprüft…
Quicklinks
- Erster Eindruck
- Klettern & Bouldern
- Hooken & Antreten
- Passform & Größe
- Verarbeitung & Material
- Details
- Fazit
- Links
Erster Eindruck
Der blau-schwarze Kunstlederschuh mit üppigen Gummiapplikationen wirkt auf den ersten Blick zwar stylisch, aber nicht unbedingt wie DIE revolutionäre Neuheit auf dem Markt der Kletterschuhe. Starke Vorspannung(Downturn), eine ähnliche Ferse wie beim Jet7 und eine slipperähnliche Konstruktion mit zentralen Velcroverschluß wie beim Project(Testbericht) – die Features kommen einem bekannt vor. Auffällig ist die schmale Mittelfußpartie, durch die der vordere Fußteil etwas breiter wirkt und den ganzen Schuh etwas anders als ‘normal’ aussehen lässt. Die reichlichen Gummierungen sind gelocht und geschlitzt, was auf eine gute Anpassung an den eigenen Fuß hoffen lässt.
Diese Hoffnung wird bei den ersten Versuchen den Fuß in den Schuh zu zwängen auf eine harte Probe gestellt: Das Reinschlupfen gestaltet sich schwierig und stellt einen echten Test für Ringbänder und Anziehschlaufen dar. Rutscht die Ferse dann in die Heelcup, fühlt sich der TEAM sehr bequem an und saugt sich praktisch an die Fußsohle. Die Schuhspitze wirkt extrem präzise und sehr zum Leidwesen meiner Schreibtischkante kann ich so gehörig an ihr mit dem Schuh zerren, dass direkt ein Stück vom Schreibtisch-Umleimer abreißt – BAM!
Ich will bouldern und an echten Tritten ziehen!!!!
Klettern & Bouldern
Der Zeitpunkt ist günstig: Mich erreicht das frische Paar TEAM Kletterschuhe pünktlich zum geplanten Bouldertrip nach Varazze und nach meinen ersten Versuchen im Blockwerk bin ich sehr gespannt, ob sich gute Eindruck auch im echten Fels bestätigt? Die Vorspannung und das ansaugende Gefühl vermitteln ein sehr direktes Gefühl für die Tritte und besonders im steilen Gelände kann man ordentlich an Tritten ziehen. Meine Schreibtischkante hat dies schon zu spüren bekommen und die nicht ganz optimale Gesteinsqualität der Boulder in Varazze gab auch hier und da dem ungewohnt starkem Zerren nach. Dafür kann aber natürlich der Schuh nichts – im Gegenteil – man spürt, wie genau man den
Tritt erwischt hat und sich dieser in das weiche Mystique-Sohlengummi einpresst. Insgesamt ist der TEAM sehr weich und sensibel. Nicht so weich wie der Project(Testbericht), oder der Speedster(Testbericht), aber ein optimaler Kompromiss zwischen Kantenstabilität und Sensibilität. Die Schuhspitze ist ultra präzise, so dass auch Trittwechsel auf sehr kleinen, kurzen Tritten fließend funktionieren und man nur sehr selten ‘nachjuckeln’ muss. Chirurgisch filetiert man Tritt um Tritt, bis die Finger nachgeben – super!
Klar, dass der TEAM wegen der Vorspannung lieber im steilen Gelände als in Reibungsplatten operiert, aber trotzdem halte ich ihn für eine gute Wahl, wenn es um technisch anspruchsvolle Reibungsttritte geht. Der optimale Kompromiss zwischen Stabilität und Sensibilität lässt den TEAM auch nicht nur beim Bouldern glänzen: Beim Seilklettern laufen einem die Waden nicht so zu wie bei den ultra weichen Modellen.
Ein chirurgisch präziser Allround-Spezialist!
Hooken & Antreten
Spätestens mit der Einführung der Jet7 Ferse hat es Five Ten geschafft einen echten Schwachpunkt in ihrem Schuhdesign zu beseitigen. Wie auch der Jet7, hat die Ferse vom TEAM eine kleine, vertikale Lippe bzw. die Verlängerung des Sohlengummies über die Ferse gezogen. Das ist bei Heelhooks auf kleinen Leisten, oder gar in Lettenlöchern ein entscheidender Vorteil. Die Passform der Heelcup ist natürlich individuell sehr verschieden, erscheint mir aber sehr ausgewogen und hat sich auch beim Jet7 gut bewährt. Was beim ganz neuen Schuh etwas schwierig ist, zeigt seinen Vorteil beim Heelhooken: Die enge Ferse rutsch auch beim passiven Hängen an Heelhook-Dornen absolut nicht aus dem Schuh – optimal!
Über die Zehenbox zieht sich eine lange, eingeschnittene Gummizunge, die bei Toehooks optimalen Grip bringen soll. Mir ist das Gummimaterial aber etwas zu dick geraten. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Materialstärke merklich einschränkt, kann mir aber auf der anderen Seite auch nicht vorstellen, wie ich eine dünnere Zehengummierung jemals durchklettern könnte und verspreche mir mehr Gefühl und noch mehr Flexibilität von dünnerem Material. Das Anheben der Zehen um einen steilen Winkel zwischen Mittelfuß und Zehen für satte Toehooks zu erreichen geht aber trotzdem gut.
Die pointierte Schuhspitze sitzt genau an der richtigen Stelle bei meinem Fuß – exakt vor dem aufgestellten großen Onkel. Microleisten und Dullen lassen sich mit chirurgischer Präzision treffen und die etwas flachere Schuhform erlaubt es einem auch in Löchern tief genug anzutreten ohne sich beim Höherkommen aus dem Tritt zu hebeln. Ich habe selten so eine präzise Klinge am Fuß gehabt! Im Zehenbereich ist der Außengummi perforiert, wodurch eine bequeme Anpassung an die aufgestellten Zehen ermöglicht und nicht schmerzhaft stark von oben auf die Zehen gedrückt wird.
Die Stealth Mystique Sohle von Five Ten kam erstmals beim Project(Testbericht) zum Einsatz und hat sich in meinem langen Testzeitrum erschreckend gut gemacht – mega Reibung und unglaubliche Robustheit. Obwohl beim Project(Testbericht) die Sohle lediglich 2 mm dünn ist, habe ich es bisher nicht geschafft sie durchzuklettern. Der Project(Testbericht) ist der erste meiner Kletterschuhe, bei dem der Innenschuh vor der eigentlichen Sohle kaputtgegangen ist. Für den TEAM, der über die gleiche Sohle, mit 3.5mm aber etwas dicker verfügt bin ich also sehr zuversichtlich.
Stealth Mystique? Für mich die absolut beste Sohle auf dem Markt der Kletterschuhe!
Passform & Größe
Der TEAM Kletterschuh saugt sich an den Fuß und umschließt ihn ohne Lufträume. Beim seitlichen Anstehen wickelt sich gar nichts um den Fuß und der Schuh passt wie angegossen. Der Jet7 hat bei meiner Fußform deutlich mehr Luft im Mittelfuß- bis Ballenbereich und sorgt lange nicht für so einen saugenden ‘fit’. Seitlich, also direkt unter dem Außenknöchel ist der TEAM, wie auch schon der Jet7 recht hochgezogen, könnte also je nach Knöchelhöhe evtl. etwas drücken. Mir persönlich kommt das eigentlich sehr gelegen, da so verhindert wird, dass sich eine ältere Verletzung der Peronaeussehne wieder bemerkbar macht – also schon fast ein orthopädischer Schuh in meinem speziellen Fall.
Auf der Outdoor 2009 waren die TEAM Kletterschuhe noch mit dem kleinen Zusatz ‘le’ beschriftet, da man ursprünglich plante den Schuh weltweit nur in einer Auflage von 510 Stück zu produzieren. Mein Serienschuh hat diesen Namenszusatz verloren und der Schuh ist hierzulande erfreulicherweise auch nicht limitiert. Freunde von mir haben sich das US-Modell (mit ‘Limited Edition’ Namenszusatz) in Amerika bestellt. Im Vergleich zu meinem Serienmodell gibt es da einen kleinen Größenunterschied. Der ‘TEAM LE’ muss etwa 0.5 Nummern größer bestellt werden, als der europäische Serienschuh. Die erhältlichen Schuhe mit ‘TEAM le’ Aufdruck stammen noch aus erster Produktionsreihe.
Der TEAM dehnt sich kaum, lediglich das Einsteigen wird mit der Zeit einfacher, da sich die elastische Zunge etwas weitet. Maximal sollte man mit einer Gebrauchsdehnung von 0.5 Größen rechnen. Ich trage den TEAM in Schuhgröße 42, dies entspricht in etwa meiner Straßenschuhgröße. Weitere Bezugsgrößen:
Five Ten Jet7 (41.5)
Five Ten Project – Testbericht (41.5)
La Sportiva Solution – Testbericht (38.5 bzw. 39 nach Größenänderung)
La Sportiva Speedster – Testbericht (38.5 bzw 39 nach Größenänderung)
Mehr Vergleichsgrößen gibt im Größenvergleich von Kletterschuhen
Verarbeitung & Material
Der Schuh ist gut verarbeitet und gut verklebt. Dennoch sind uns ein paar Details aufgefallen die man verbessern könnte. Bei einem der ‘le’ Schuhe ist die Anziehschlaufe eingerissen – für einen Schuster kein Problem und für ein paar Euro schnell und günstig zu reparieren. Vermutlich wäre dies ein Reklamationsfall, wenn die Schuhe nicht aus den USA stammen würden und so der Aufwand des Verschickens einfach unangemessen wäre.
Bei meinem Serienmodell hat sich die seitliche Gummierung im Mittelfuß etwas angelöst. Hier hätte man den Übergang von Gummi zu Obermaterial flacher auslaufen lassen können, wodurch dann aber auch diese kleine Lippe nicht mehr zum Verhaken am Fels taugt. Mir ist es so fast lieber, notfalls klebe ich es selbst mit dem Stealth Paint Kleber(Anleitung) wieder fest.
Details
- Hersteller: Five Ten
- Modell: TEAM
- Konstruktion: Slipper-Velcro
- Breite/Volumen: schmal bis mittel
- Obermaterial: Kunstleder
- Innenmaterial: gefüttert
- Sohlengummi: Stealth Mystique Rubber
- Farbe: Blau/Schwarz
- Gewicht: ca. 410 Gramm / Paar
- Preis: 124,95 EUR
- Lieferbarkeit: Ab heute (4.Februar 2010) bei den Bergfreunden zu bestellen!
Fazit
Der TEAM ist momentan in meinen Augen der ausgereifteste Allround-Kletterschuh fürs Bouldern und Klettern. Der Begriff Allround darf hier aber nicht mißverstanden werden: Der Kletterschuh ist eine absolute Highend-Waffe und das eben sogar in mehreren Bereichen und in vielseitigem Gelände – sozusagen der Allround-Spezialist! Die Features des TEAM vereinen viele positive Eigenschaften der bisherigen Five Ten Topschuhe Jet7, Dragon und Project(Testbericht) und stellen so eine Weiterentwicklung dar. Der TEAM ist eine sensible, chirurgische Filetierklinge die auch bei Heel- und Toehooks überzeugt. Die asymetrische Form und der Aggro-Downturn fühlen sich am Fuß trotzdem ausgewogen an. Vielleicht liegt das daran, dass endlich der Team für die Füße und nicht für die Tritte entworfen wurde? Die Stealth Mystique Sohle toppt alle anderen Kletterschuh-Sohlen in Punkto Haltbarkeit und Reibung, so daß sich der Kauf trotz des hohen Preises für den Five Ten Topschuhs dennoch lohnt. Selbst wenn minimale Details verbessert werden könnten, freue ich mich, dass sich der sehr gute Eindruck auf der Outdoor 2009 auch im Serienschuh voll bestätigt. Der TEAM Kletterschuh reicht schon sehr nah an das heran, was ich den perfekten Kletterschuh nenne!













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Abgefahren!
Mal wieder ein sauberer Bericht! Die Preise der Topmodelle sind ja dieses Jahr wirklich nochmal ein Stückchen gestiegen. Aber Boldrini wird das nochmals toppen….
Wie lange hattest du den Team jetzt grob in der Mangel (Outdoor / Indoor)?
[...] gibt es Tipps zum finden der richtigen Größe. Den ausführlichen Test findet ihr hier :Testbericht: Five Ten Team Kletterschuh Klicke hier für den [...]
…du tendierst auch zum Hammerzeh….
Gruß Betze (aka audioworker)
Spitze Marc!
Das nenn’ ich mal einen 1A Test.
Glaube das wird mein nächster Kletterschuh, klingt verdammt schnieke.
Ich hab in Straßenschuhen 42,5, finde meinen Solution (vor dem update) in 40,5 passend, also sollte ich hier wohl eher zu 42,5 als größe greifen?
Oder gar 43?
Super test, vielen Dank!
Marvin
PS: Kann meinen nächsten Blockwerk Trip kaum abwarten…Darmstadt’s Routen geben nicht mehr so viel her…
Cooler Testbericht, bin auch am überlegen ob ich mir den Schuh zulegen soll.
Qwiß jemand wie der Team im gegensatz zum Dragon in der Größe ausfällt ?
Toller Bericht wieder
Die Preise der Schuhe sind aber recht “nett” … auch mein Evolv Pontas ist in der gleichen Kategorie sofern man ihn nicht in Arco kauft und noch 1 Ersatzpaar rumliegen hat… und dennoch haelt meiner schon 9 Monate.
Da die Sohle deiner Meinung nach sehr abriebfest ist – und das Leder Kunstleder, sollte der TEAM ja auch recht haltbar sein oder?
Salut. wirklich guter Bericht. Trage den Team selber .. Kleiner tipp. Da der einstieg ja wirklich schwer fällt, nehme ich ein stückchen von einem Plastiksack und lege es mir über die Ferse. So flutsche ich am Anfang regelrecht in den Schuh.( Und zerstore mir nicht gleich die Schlaufen. ) Wen er sich geweitet hatt kan man es gegebenenfals wieder sein lassen. Troz des Plastik binn ich noch nie aus dem Schuh gerutscht.
Gut Move jano
Interessant! Ich bin gerade am überlegen, ob ich mir neben meinem Miura VS noch den Solution kaufen soll oder jetzt doch lieber den Team. Was würdest du mir empfehlen?
super bericht. mein kumpel hat auch das le modell aus amiland. findet aber den solution doch einen ticken besser, verarbeitung, passform, haltbarkeit bez. downturn. who cares…füße sind eben verschieden…
Servus
Mal wieder ein super Testbericht
Ich will mir jetzt neue Kletterschuhe kaufen und schwanke noch zwischen Team und project
Da wollte ich mal fragen welcher schuh sich besser zum bouldern eignet
Bouldergrüße Flo
[...] von rokblog.de hat einen sehr ausführlichen Testbericht über den neuen Kletterschuh Team von Five Ten veröffentlicht – inhaltlich super und [...]
hab die neuste kletterwaffe entdeckt – direkt aus dem benachbarten ausland.
einfach genial der schuh, ideal für halle und auch draussen hat er sich bereits bewährt.
man sollte ihn allerdings in straßenschuhgröße kaufen, da er sich kaum weitet.
http://images.google.de/images?hl=de&q=klompen&oq=&um=1&ie=UTF-8&sa=N&tab=wi
gruß
lolo
lolo: Da können meine Neuen auch mithalten:
http://www.kletterfieber.net/wp-content/uploads/2010/02/IMGP5946.jpg