Bouldern in Varazze, Trip 2009/2010
10. Januar 2010 in Fotos, Infos, Tests und Tipps, RokBlog | 8 Kommentare | 10509 LeserEigentlich wollten wir über den Jahreswechsel ins Tessin zum Bouldern, aber als wir dort nachts eintrafen, entmutigten uns die Schneemassen etwas, so dass wir kurzerhand weiter nach Varazze, Ligurien in Italien, fuhren.
Das Bouldergebiet in der Nähe von Genua wurde bereits in der Klettern Dezember 2009 vorgestellt und die Fotos sahen recht vielversprechend aus – unsere Entscheidung war also schnell getroffen. Das Bouldergebiet ist zwar nicht das jüngste, aber so richtig viele Infos lassen sich im Internet bisher kaum darüber finden.
Als schnell erreichbare Alternative bei schlechterem Wetter im Tessin gibt´s neben unseren Erlebnissen daher auch ein paar detailliertere Infos über den “neuen, alten” Boulderspot an der ligurischen Küste…
Quicklinks
- Unser Trip 2009
- Info
- Anfahrt
- Boulder- und Gesteinsqualität
- Boulderangebot & Familientauglichkeit
- Absprunggelände und Zustieg
- Jahreszeit und Bedingungen
- Infrastruktur
- Topo
- Links
Unser Trip 2009
Nachts in Varazze angekommen, konnten wir uns nicht zurückhalten und mussten erst mal zum Strand und zwischen den Palmen und der schönen Strandpromenade herumhüpfen – ein massiver Kontrast zum vereisten Chironico! Richtig warm war es zwar nicht, aber wenigstens kein Schnee/Eis und nächtliche 10 Grad sind ja auch nicht gerade schlecht am 25. Dezember.
Am nächsten Morgen besorgten wir uns das Topo in der Bar “Il Borgo” und steuerten dann direkt den Sektor “Futurama” an. Oben auf dem Monte Beigua herrschten
eisige -1 Grad mit Windgeschwindigkeiten, die schon fast bedrohlich wirkten. Der Sektor “Futurama”, das höchstgelegene Gebiet mit dem weltbekannten Klassiker “Rampage”, hat gleichzeitig auch den längsten Zustieg von etwa 30 -40 Minuten. Eigentlich war mein Plan, mich an den Zangen von “Rampage” aufzuarbeiten, aber bei dem schneidenden Wind wollte so recht keine Freude aufkommen. Mia und ich ließen es also etwas gemütlicher angehen und vergnügten uns an ein paar anderen Bouldern. Highlight war hier “La strane tendenze”, eine recht hoche und technisch anspruchsvolle Platte.
Der nächste Morgen war super sonnig und auch deutlich
windstiller. Nach eingehender Studie des Topos entschieden wir uns für den Sektor “La Cava”. Im Topo war ein schönes Foto von “Arancia meccanica”, einer tollen fb7b+, die ich gerne versuchen wollte, und dass der Sektor ganztägig sonnenbeschienen sei, kam uns gerade recht. Bereits der erste Block hielt ein paar schöne Boulder für uns bereit: Wir wärmten uns in “Codardi silenziosi”, einer recht hohen Kante auf, – bestimmt nicht die geschickteste Wahl, aber eine sehr schöne Linie, mit anspruchsvollem Topout. Das Gestein war leider weniger gut, bröselig und splittrig. Nach etwa 45 Minuten waren wir erfolgreich. Am gleichen Block gelang mir nebenan “La fine del millennium” im Flash – soviel zur “homogenen” Bewertung.
An “Arancia meccanica” waren bereits an paar Italiener dabei, den Boulder zu entschlüsseln und ich schloss mich ihnen an. Im ersten Versuch hampelte ich recht ungeschickt bis zum Ausstieg und fiel. Zunächst noch optimistisch glaubte ich im nächsten Go durchzuhiken – weit gefehlt: Knapp 2 Stunden und unzählige Versuche später stocherte ich gebrochen und unbeholfen immer noch an dem Boulder rum. So geschickt wie ich mich anstellte, könnte ich den Boulder eigentlich auch als Flash verbuchen – ich habe bestimmt nicht einen einzigen Zug zweimal gemacht, sondern jedesmal alles verändert bzw. versaut – elendig! Danach ging es weiter an “Teccamen”, wo Mia die letzten Sonnenstrahlen des Tages genoss.
Am dritten Tag zogen wir in das Hauptgebiet, die Sektoren “Potala”. Das größte der von uns besuchten Gebiete erstreckt sich entlang eines Flussbettes und bietet etliche, schöne Boulder. Nachdem wir uns an ein paar der gemütlicheren Boulder aufwärmten, zog es mich an “Tempo delle favole”. Zigmal peitschte ich mit meiner Hand auf die zwei Zähne des entscheidenden Slopers und nach einer guten Stunde klappte es dann auch endlich.
Am vierten Tag gingen wir wieder nach Potala, aber dieses Mal in den Sektor E “Terra di Mezzo”. Nachdem wir etwas die Blöcke sondierten, entschieden wir uns für “Muschia”, einer überhängenden fb6c. Nach etwa 2 Stunden waren wir dann mit dem Aufwärmen fertig bzw. platt.
Zigmal spannte sich Mia bis zu dem sehr weiten Zielgriff, war dann aber derartig überstreckt, dass es sich nicht auflösen ließ. Wir beschlossen dann am nächsten Tag mit frischer Kraft wieder anzutreten und zogen weiter an den Hauptblock des Sektors, an dem sich bereits Heiko, Maik, André und Tom aus der Fränkischen versuchten. Heiko erzählte mir bereits vor ein paar Tagen von einer richtig guten fb7b+, die ich gerne versuchen wollte. Während sich die fitten Jungs an “Alphacentaury-Stand” versuchten, gelang mir dann auch der Durchstieg von “Ciucciati il calzino”.
In der nächsten Nacht fing es leider an zu regnen und es wurde sehr neblig. Auch die Prognose für die nächsten Tage war nicht so rosig, deswegen entschieden wir uns, noch kurz im Tessin vorbei zu fahren und die Lage zu checken, aber es regnete auch hier nahezu den ganzen Tag, also ging es ab nach Hause…
Info
Das Bouldergebiet Varazze befindet sich knapp 30km westlich von Genua in Ligurien und eignet sich deswegen gut als Bouldergebiet im Winter. Bereits seit zig Jahren sind die Erschließer dabei, neue Sektoren und Boulder zu eröffnen, aber erst vor etwa einem Jahr erschien der Boulderführer “Varazze Block”, der den Zugang zu den Blöcken wesentlich einfacher gestaltet. Inzwischen existieren ca. 800 Boulderprobleme mit einem Schwerpunkt im 7ten Bouldergrad und es kommen ständig neue hinzu. Die Sektoren verteilen sich auf mehrere Hänge und Höhenlagen, weswegen man in vielen Jahreszeiten und im großen Temperaturbereich recht gut bouldern kann. Die Infrastruktur ist sehr gut und die Zustiegszeiten halten sich für die meisten Sektoren in Grenzen.
Anfahrt
Der kleine Ort Varazze liegt direkt an der ligurischen Küste zwischen Genua und Savona. Aus Deutschland empfiehlt sich die Anfahrt durch das Tessin, weiter in Richtung Genua. Ab dem Tessin (Biasca) braucht man etwa 2.5-3 Stunden und berappt einfach ca. 14,- Euro Autobahngebühren. Von Varazze geht es entweder in den kleinen Ort Alpicella oder nach Pero, um von dort die jeweiligen Sektoren anzupeilen.
Boulder- und Gesteinsqualität
Das Gestein ist sehr vielseitig und reicht von messerscharf über picklig und perfekt bis hautfreundlich. Leider ist die Felsqualität nicht immer optimal und bei vielen Bouldern brechen hier und da Tritte und Griffe aus. Beschrieben wird es als metamorph, diese Bezeichnung trifft deswegen teilweise auch auf die Boulder zu (leider). Überwiegend und besonders in den stark frequentierten Bouldern ist die Felsqualität aber ordentlich kompakt und erinnert von der Struktur her dem Gneis und dem Granit. Unter den etwa 800 Bouldern ist teilweise leider viel Schrott. Schätzungsweise ein Drittel ist aber ordentlich: Schöne Linien, schöne Moves, nettes Ambiente usw., und die Boulder können auch mit den guten Boulder im Tessin mithalten.
Boulderangebot & Familientauglichkeit
Die Boulder rangieren in allen Schwierigkeitsgraden, wobei der Schwerpunkt im mittleren 7ten Bouldergrad zu finden ist. Die “leichteren” Boulder empfanden wir teilweise sehr schwer und die schwereren scheinen eher leichter zu sein – oder haben wir einfach nur schlecht gewählt? Vielleicht liegen die Bewertungsschwankungen ja auch an der metamorphen Gesteinsqualität und die Boulder haben sich etwas verändert? Jedenfalls wird jeder ab etwa fb6b auf seine Kosten kommen können. Viele Sektoren eignen sich auch mit Kindern, allerdings sind die Wege oftmals etwas “wild”.
Absprunggelände und Zustieg
Die Zustiege sind meistens erfreulich kurz, allerdings befinden sich viele Boulder auf Privatland, weswegen man nicht zwangsläufig den nächsten Parkplatz wählen sollte, sondern lieber den, der auch im Topo aufgeführt ist. Das Absprunggelände ist meistens eben. Der erdige Boden benötigt aber nach Regen eine ganze Weile (2-3 Tage), bis er wieder richtig trocken ist. Wer darauf angewiesen ist, im Auto auf den Pads zu schlafen, der sollte eher eine Plane mitnehmen, damit die Pads nicht im Schlamm liegen.
Jahreszeit und Bedingungen
Die beste Jahreszeit ist bestimmt von Herbst bis Frühjahr. Das milde, mediterrane Klima sorgt dann für gute, aber noch angenehme Bedingungen bei 0 – 15 Grad. Leider sind die meisten Sektoren nur vormittags in der Sonne, so dass man meistens im Schatten rumhängt und neidisch in den benachbarten Sonnenhang schielt. Lediglich die Sektoren “Futurama” und “La Cava” sind ganztags in der Sonne. Wegen der kurzen Zustiegszeiten kann man ja auch die Sektoren wechseln. Bei richtigem Regen gibt es kaum Blöcke, die vollständig trocken bleiben, aber wenn die Vegetation winterlich, also etwas lichter ist, dann trocknen die meisten Boulder innerhalb von wenigen Stunden ab.
Infrastruktur
Die Infrastruktur ist super: viele Einkaufsmöglichkeiten, viele Unterkünfte, einige Schlafplätze, sehr leckere Kaffeebars, Pizzerien, Restaurants, Eisdielen, Strand, direkte Autobahnanbindung, viele Klettergebiete in nächster Umgebung…
Topo
Das beste verfügbare Topo stammt von Marco Bagnasco, Stella Marchisio und Christian Core und ist unter dem Namen “Varazze Block” bei climbingguide antersass erschienen.
Für 25,- EUR ist das schön gestaltete Topo dreisprachig in Italienisch, Deutsch und Englisch in der Bar “Il Borgo” in Varazze zu kaufen.
Ihr findet die Bar auf der Hauptstraße direkt an der Strandpromenade von Varazze. Aktuelle Informationen, Updates, sowie Fotos und Videos findet ihr auf der offiziellen Webseite über das Bouldergebiet Varazze bei infoboulder.com.
Das Topo ist gut recherchiert und wir hatten keine Probleme, die Boulder zu finden, aber die Zustiegszeiten waren teilweise etwas optimistisch.
Also: Wenn es im Tessin nichts taugt, einfach 2-3 Stunden weiterfahren und trotzdem ordentlich bouldern!
Links
- offizielle Webseite über das Bouldergebiet Varazze
- Varazze bei Harry Röker
- aktuelle Wetterinfos über Varazze















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Schöner Breicht, kann mich nur anschließen, waren letztes jahr dort und genossen bei 20° und sonnenschein t-shirtwetter, während bei uns das schneegestöber tobte.
BIlder von uns ( http://www.flickr.com/photos/clemensarndt/sets/72157614622077518/ )
Weil ich gerade bei dir die Five Ten Team an deinen Füßen erspähte,ist denn da mal ein Review von dir zu erwarten?
Hey Marc,
die beiden top videos kannst aber nicht unterschlagen:
Rampage:
http://www.youtube.com/watch?v=s-PfW0bBoPo
Goia stand:
http://www.youtube.com/watch?v=mkG0VQbJrR8&feature=related
Danke für die Infos. Hast du noch Tipps für eine familiengeeignete Unterkunft? Ferienwohnungen zum Beispiel?
Gibts eigentlich nen Strand in dem Dorf, also was für die Kinder zum spielen?
Hey Andi,
es gibt viele FeWos dort, aber den Strand will ich so richtig nicht empfehlen. Die Nähe zur Hafenstadt Genua lässt den Strand nicht unberührt. Vielleicht sieht er im Sommer etwas anders aus, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, das Kinder den Strand so richtig schätzen würden – die nahegelegenen Eisdielen vermutlich dafür um so mehr
Schönen Gruß,
Marc
wow! atemberaubende bilder! das war ein wirklich tolles abenteuer.
hmm ich schließ mich robert an…. wär schön wenn du bis pfingsten nen Testbericht parat hast, denn da fahr ich nach Amiland und da wird die schlappe vermutlich billiger sein
Ei ei, ihr schaut euch die Fotos aber genau an… schön
Zum TEAM-Kletterschuh:
Wird demnächst einen Testbericht geben – auf jeden Fall bis Pfingsten!
Soviel schonmal vorab – bin seeehr zufrieden!
Bin neulich bei bestem Sonnenschein extra wg. Fotos rausgefahren um dann am Fels festzustellen, dass die Speicherkarte noch im Lesegerät und nicht in der Kamera war….
Falls jemand auf die Idee kommen sollte in Amerika zu bestellen, es gibt anscheinend einen Größenunterschied zwischen dem LE und der “normalen” Version von etwa einer halben Nummer. Also Vorsicht!
Bei den Bergfreunden wird der Schuh vermutlich ab Anfang Februar im Shop sein, genaueres demnächst…
Schönen Gruß,
Marc