Testbericht: Edelrid Deadpoint Crashpad

16. Dezember 2009 in Infos, Tests und Tipps  |  12 Kommentare  |  109026 Leser
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Edelrid Deadpoint Crashpad

Edelrid Deadpoint Crashpad

Bereits im Juli erwähnte ich die neuen Crashpads von Edelrid und hatte das “Deadpoint” seitdem im exzessiven Testgebrauch. In den RokBlog-Kommentaren berichtete ich zwischenzeitlich von meinen Erfahrungen – pünktlich zur Markteinführung ist jetzt der ausführliche Testbericht fertig. Über den Testzeitraum von etwa einem halben Jahr musste das “Deadpoint” einige Strapazen über sich ergehen lassen. Ob es diese überstanden hat, für welche Boulder das “Deadpoint” Crashpad geeignet ist und in welcher Liga unter den verschiedenen Pads das mittlere der drei Edelrid Crashpads spielt – alle Facts gibt´s hier im detaillierten Review

Quicklinks

Info

Inkl. Starterpad

Inkl. Starterpad

Fertiges Taco

Fertiges Taco

Die Marke Edelrid assozieren wohl die meisten Kletterer mit Ausrüstung wie Seilen, Gurten, Expressen und vielleicht auch dem Eddy, deswegen war ich auf der Outdoor umso überraschter, das Traditionsunternehmen mit einer Serie Crashpads am Start zu sehen. Böse Geister erahnen hierbei vielleicht, dass Edelrid auch etwas vom “Boulderkuchen” abhaben möchte und daher “einfach” mal ein paar mehr oder weniger ausgereifte Pads auf den Markt wirft. Nach einem sehr ausführlichen Gespräch mit Milan Rehak, dem Produktentwickler der neuen Crashpad Serie, wurde mir aber klar, dass da mehr dahinter steckt als ein rein geschäftliches Interesse. Milan hat echte Entwicklungsarbeit geleistet und viele Aspekte in die Entwicklung einfließen lassen, die tatsächlich praxisrelevant und wichtig sind. Das Ergebnis der Recherche sind drei bzw. vier Pads: das Sitstart, Mantle, Deadpoint und das Crux. Ich habe mich bei dem Test für das Deadpoint entschieden, da es das mittlere Pad ist und vom Prinzip her zwei mögliche Schwachpunkte der Serie checkt – den Reißverschluss und die Knickstelle bei Tacopads. Da die drei Hauptpads vom Schaum und der Verarbeitung her gleich sind, lassen sich die Ergebnisse dieses Tests deswegen teilweise auch auf die anderen Pads übertragen.

Details

  • Bauart: Tacopad
  • Größe aufgeklappt: 140cm x 115cm x 10cm
  • Größe geschlossen: 70cm x 115cm x 45cm
  • Startpad: 100cm x 55cm x 5cm
  • Gewicht Deadpoint: 6,0 Kg
  • Gewicht Sitstart 1,6 Kg
  • Aufbau: 4 lagig
  • Außenmaterial: wasserabweisendes, reißfestes Nylon
  • Farbe: Edelrid Neongrün / Schwarz
  • Preis: 199,95 EUR
  • Tragesystem: gepolsterte Rucksackriemen und ungepolsterter Bauchgurt
  • Verschlußsystem: Reißverschluss und Schnellverschlüsse aus Metall
  • Weitere Features: zwei Fußabstreifer-Teppiche, viele Tragegriffe, innenliegende Nähte
  • Verfügbarkeit: AB SOFORT!

Edelrid Deadpoint

Im Blair Witch Project

Im Blair Witch Project

Das Deadpoint ist ein Crashpad in Taco-Form, d.h., es ist nicht zweigeteilt, sondern bietet eine falzfreie Landebahn. Dies hat den Vorteil, dass man eine weniger kipplige Landebahn hat und tatsächlich auch die Mitte des Crashpads beim Abspringen anvisieren darf. Bei zweigeteilten Pads springt man oft direkt in die Mitte und landet dann genau da, wo die Dämpfung eigentlich am schlechtesten ist, auf der Falz!

Fußabstreifer

Fußabstreifer

Für den Transport lässt sich die Unterseite des Pads mit einem Reißverschluss sowie einem Kompressionsriemen mit Metall-Schnellverschluss schließen. Die Rucksackriemen sind komfortabel gepolstert und bieten einen sehr weiten Einstellbereich, wodurch man das Pad sogar über einem flachen Tagesrucksack tragen kann.
Das Deadpoint wird zusammen mit dem Starterpad “Sitstart” geliefert. Sowohl auf dem “Sitstart” als auch auf dem eigentlichen Deadpoint befindet sich ein sehr rauher Fußabstreifer zum Reinigen der Kletterschuhe. Als Sofa lässt sich das Pad nicht umbauen und ohne T-Shirt sind die Fußabstreifer recht kratzig am Rücken. Immerhin hat man eine hohe Sitzbank. Für den Transport findet das “Sitstart” im “Deadpoint” Platz, dadurch bleibt aber etwas weniger Platz für einen weiteren Rucksack und evtl. eine Fototasche. Auf dem Rücken ist das Pad sehr angenehm schmal und man bleibt nur ganz selten zwischen Bäumen und Felsen hängen bzw. stecken.

Fallschutz und Dämpfung

Innenleben

Innenleben

Das Deadpoint bietet mit seinen 10cm etwas weniger Höhe als z.B. ein Mondo, der vierlagige Aufbau verhindert aber trotzdem gut ein Durchschlagen bzw. ein Durchfühlen spitzer Steine und Wurzeln bei den meisten Bouldern. Durch die nahtlose Landefläche hat man eine robuste und stabile Absprungzone, die sich so leicht auch nicht durch kleine Blöcke aus der Ruhe bringen lässt. Zusammen mit dem Starter- bzw. Satellitenpad kann man sogar eine größere Fläche abdecken als mit einem Mondo und in der Praxis hat sich diese Flexibilität als sehr nützlich erwiesen. Bei fast jedem Boulder habe ich einen sinnvollen Verwendungszweck für das kleine Pad gefunden und möchte nicht mehr darauf verzichten. An kritischen Stellen, wo man z.B. seitlich gegen einen nebenstehenden Block fallen kann, ist das Starterpad optimal. Für richtig hohe Monsterblöcke ist das “Deadpoint” etwas zu dünn, aber für die allermeisten Boulder ist es absolut ausreichend sicher und durch die größere Fläche ist das mit dem Mondo vergleichbare Gewicht eigentlich sogar praktischer genutzt.

Verarbeitung

Tragegriff

Tragegriff

Schnalle

Schnalle

Die Verarbeitung stimmt einen Boulderenthusiasten wie mich richtig glücklich! Alles ist schön verarbeitet und vernäht. Die Nähte sind innenliegend und alle ordentlich geführt, alles ist genau an seinem Platz, die Metallverschlüsse hakeln nicht und sind nicht zu dünn, der Kompressionsriemen hat eine große Schlaufe, an der man richtig ziehen kann, die Griffe sind ummantelt, sogar der Reißverschluss, der den Schaum verschließt, hat sozusagen eine “Garage” für den Schlitten und vor allem passt der Außenbezug gut zu dem Schaum. Beim Tragen schlackert da nichts! Das sind Details, wie ich sie mir wünsche, aber auch erwarte, wenn ich 200,- EUR für ein Pad ausgebe.

Außenbezug gerissen

Außenbezug gerissen

Schlitten-Garage

Schlitten-Garage

Das Außenmaterial ist zwar nicht gummiert, wie z.B. beim neuen “Mondo” und ist mir sogar bei meinem Test im Zillertal eingerissen, dennoch möchte ich dies nicht auf eine mangelnde Qualität des Materials schieben, sondern ich bin mir ziemlich sicher, dass jedes andere Pad in dieser speziellen Situation ebenfalls beschädigt worden wäre. Ich habe den Riss bewusst nicht repariert, sondern einfach so gelassen. In den Monaten danach ist der Stoff nicht weiter eingerissen, was für die Qualität des Materials spricht. Das Außenmaterial ist wasserabweisend und zusätzlich sind die äußeren Schaumschichten wasserdicht. Legt man das Pad in Pfützen, oder lässt es über Nacht im Regen, dann hat man danach keinen vollgesaugten Schwamm.

Schwachstellen & Anregungen

Reepschnur

Reepschnur

Ein Nachteil im Tacodesign ist, dass sich auf Dauer der Innenschaum durch das Knicken abnutzt und dieser durch die äußeren Schaumschichten gequetscht wird. Um diese Schwachstelle im Design zu beseitigen, hat Edelrid den Schaum angepasst: Zwei robuste, äußere Schichten schützen eine weiche und darunter eine laminierte, härtere Schicht. Die mittleren Schichten sind besonders eingeschnitten, dies hat sich bei mir in der Praxis als sehr tauglich erwiesen. Die Sollbruchstelle Knickfalte ist bei mir jedenfalls in dem halben Jahr Dauertest völlig verschleißfrei und tipp top!
Eine weitere, mögliche Schwachstelle ist der Reißverschluss: Warum ein Pad überhaupt einen Reißverschluss haben muss, ist mir nicht wirklich klar, aber zumindest hält der Reißverschluss beim Deadpoint gut und ist weder kaputt noch hakelig. ALLE Zähne laufen IMMER ordentlich ineinander, ohne dass ich irgendwie darauf geachtet hätte, ihn zu schonen. Das kenne ich von anderen Pads mit Reißverschluss so nicht! Am neuen Pad nervt das Schließen des Reißverschlusses zwar anfangs, aber nachdem ich eine kurze Reepschnur am “Schlitten” befestigte, ließ sich das Pad auch mit sehr geschundenen Boulderfingern gut und problemlos schließen. Mit der Zeit läuft sich auch der Reißverschluss ein und wird leichtgängiger – oder liegt das an der Übung? Ich halte zwei weitere Kompressionsriemen oder einen weiteren plus “Flap” für sinnvoller.

Fazit

Im Blair Witch Project

Im Blair Witch Project

Das Deadpoint macht auf mich einen soliden, gut verarbeiteten und durchdachten Eindruck. In der Praxis erweist sich die Kombination mit Starterpad als sehr sinnvoll und das Deadpoint ist eine mobile Alternative zu großen und sperrigen Pads. Für hohe Blöcke ist die Dämpfung noch gut, allerdings kommt man bei echten Highballs wie z.B. “Too young to die” in der Silvretta nicht um die Dämpfung eines Mondos für den “Haupteinschlag” herum. In den letzten Monaten hat das Deadpoint eines meiner Mondos vom Stammplatz verdrängt, weil es deutlich leichter zu transportieren und in den meisten Fällen (Achtung Wortwitz!) dick genug ist. Generell bleibe ich bei Reißverschlüssen skeptisch, auch wenn mich die Realität bisher von der Zuverlässigkeit überzeugen möchte. Das Deadpoint ist nicht nur als Erstauflage aus dem Hause Edelrid ein sehr gutes Pad, bei dem die Qualität auch im Detail zu finden ist. Sehr gut!

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12 Antworten zu “Testbericht: Edelrid Deadpoint Crashpad”

  1. marc sagt:

    Ich stimme teilweise zu!
    Die Verarbeitung plus das Starterpad sind gut und reichen für die meisten Boulder aus.
    Als direkten Vergleich habe ich das Joker von Pad herangezogen, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Als Fazit würde ich das Joker (war halt mein direkter Vergleich, aber dies soll keine Werbung sein den es gibt sicherlich weitere gute Crashpads auf dem Markt) dem Deadpoint vorziehen. Das Tacosystem hat mich nicht überzeugt und 199.- Euro finde ich im Vergleich zum Joker und andere Pads dieser Größe etwas zu hoch.

  2. nils sagt:

    Vor allem bin ich beeindruckt das du mehrere Mondos hast ;-)
    Du musst ein wahrhaft reicher Mann sein…

    Ne cool bin ja nur neidisch

    gruß

    nils

  3. @Marc:
    Ich habe bisher nahezu keine Erfahrungen mit den Pads von PAD und ich finde den Preis von 200,- für das Deadpoint auch nicht gerade günstig – aber noch angemessen. Ich habe bei keinem meiner Pads so eine gute, edle Verarbeitung gefunden. Das kenne ich nur von den uralt “Dropzones” aus dem Hause Franklin. Was hat dich denn am Taco vom Deadpoint gestört?

    @Nils:
    Schön wärs – aber meine Freundin ist ja auch leidenschaftliche Bouldererin (manche Worte muß man vielleicht nicht ver-weiblichen) und hat auch ebenfalls ein Mondo Pad – es müsste also eher “wir” als ich heißen :)

    Schönen Gruß an euch beide,

    Marc

  4. Nico sagt:

    Hallo Marc,
    suche zur Zeit nach einem Crashpad. Ich überlege zw. dem neuem Mondo oder zw. einem Crashpad von Edelrid. Was würdest du denn empfehlen (wenn man mal vom Preis absieht!)?

    Nico

  5. Hi Nico,

    wenn Du öfters in einer größeren Gruppe unterwegs bist, oder du nicht so oft Highballs versuchst, dann würde ich definitiv das Edelrid Deadpoint kaufen, da ihr vermutlich für die richtig hohen Highballs auch mehrere Pads übereinander legen könnt. Im “Alltag” ist das Deadpoint einfach unproblematischer und handlicher.

    Es hängt echt von deinem Einsatzzweck ab, welches Pad sich besser für dich eignet und genau danach würde ich auch entscheiden…

    Hoffe ich konnte etwas helfen!

    Schönen Gruß,

    Marc

  6. Till sagt:

    Suche momentan auch gerade nach nem Chrashpad und bin auf die Jungs hier gestoßen, hat damit jemand Erfahrungen gemacht? Vom Preis her Definitiv sehr fair…

    http://www.alpkit.com/bouldering/

  7. Gerhard sagt:

    Hallo,

    in Bleau haben viel Engländer die Alpkit-Pad´s gehabt. Ich bin 2mal so durchgeschlagen, dass ich dir die nicht empfehlen würde. Leider ist es nicht mehr wie früher, dass man schon beim Preis ungefähr wusste, ob das PAD auch wirklich gut ist. Denn bei vielen Herstellern wird der Schaumstoff immer schlechter und das PAD immer teurer.

    Persönlich finde ich folgende PAD`s nicht schlecht: Edelrid (PREIS-Leistung!!! Fand das der Schaumstoff recht schnell weich wird) | PAD (Preis-Leistung) | und ja…find die Matte nicht sooo schlecht http://www.rokblog.de/2007/05/23/neues-crashpad-ocun-moonwalk/

  8. dymas sagt:

    Zum Mäusemelken. Wieso muss denn da die Sitstartmatte drin sein? Für nur wenig mehr kriegt man das Crux aber ohne den Sitzstarter. Kann das Deadpoint nicht einfach 60€ günstiger sein einzeln daher kommen? Dann wär die Entscheidung leichter…

  9. Stefan sagt:

    Hallo Marc,
    ich bin im Moment auf der Suche nach einem neuen Pad. Ich habe bisher das Dominator und das Dreamtime von Ocun. Leider ist das Dominator für mein Empfinden etwas zu klein und beim Dreamtime ist der Scahu sehr schnell sehr weiche geworden, was es für höhere Boulder unbracuhbar machte. Daher bin ich auch skeptisch was Tacco-Pads angeht. Bis vor kurzem wollte ich mir von der Firma oben (www.oben.net) das Monster XXL kaufen, leider habe ich heute erfahren, dass das nicht mehr produziert wird. Hast du evtl einen Tipp für mich mit einer Alternative. Ich überlege auf das Mondo, bin aber im Moment noch am Überlegen, da man von allen Seiten hört die Qualität des Schaums sei schlechter geworden…
    Vielen Dank,

    Stefan

  10. adrien sagt:

    Hi Marc,
    I was wondering how is the foam quality on the edelrid pad? lets say compare to a mondo. does the foam get soft fast ? or does the foam keeps its shape and quality for a long time?

    Thanks in adavance

    Adrien

  11. Hey Adrien,

    i am using the deadpoint since this review quite frequently and so far the foam ist still good. The zipper broke a couple of months ago, but the pad is still usable and i am happy with it never again without a starterpad :)
    About the Mondo i heard quite bad things… the foam is not good… even though my new Mondo is still in good shape.
    Personally i like the Pad + StarterPad-Combo a lot more than one single big pad… it just offers more flexibility…

    Happy and safe climbing,

    Marc

  12. Manuel sagt:

    Hi Marc,

    ich muss leider auch berichten, das der Reißverschluss bereits nach 1-2 Monaten kaputt ging.
    Ansonsten ist die Verarbeitung wirklich super. Der Schaumstoff und vor allem die Träger sind wirklich sehr gut.
    Auch das kleine Starterpad möchte ich nicht mehr missen.

    Aber das Verschluss-System und auch der Kundensupport von Edelrid muss wirklich verbessert werden!
    Habe denen eine E-Mail zum Problem bei diesem Pad geschickt und nicht einmal eine Antwort erhalten.

    - Grüße Manu

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