Erstbegehungen am neuen Boulderspot Resistance in der Pfalz

30. November 2009 in Fotos, RokBlog  |  6 Kommentare  |  15549 Leser
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The Grunt

The Grunt

Eigentlich wollte ich eine Woche lang NSARs nehmen, um endlich meine Überlastungsentzündung im Ringband loszuwerden, als mich Felix anrief und mir von einem neuen Boulderspot in der Pfalz erzählte. Na gut, das Wetter passt, die Diclos sind eh schon runtergespült – was soll´s? Voller Tatendrang und im Erstbegehungsfieber packe ich die Bürsten und Putzstöcke ein und stehe um 12 Uhr am Parkplatz zum neuen Bouldergebiet Resistance. Kalter Wind und trockener Fels, der nur wenig Putzarbeit erfordert und viele Blöcke mit schönen Linien. Nicht ohne Grund wird der Spot auch im neuen Topo: “Pfalz & Nordvogesen en bloc” aufgenommen. Warum mir heute noch die Ringbänder weh tun, ob man “The Grunt, fb8a” überhaupt ohne Schmerzmittel bouldern kann, wie eigentlich die komischen Namen von Bouldern entstehen und was der neue Spot für euch bereit hält, erfahrt ihr in einer kurzen Vorstellung unserer Erstbegehungen an der Resistance

Info

Das Bouldergebiet Resistance befindet sich am Hortenkopf, ganz in der Nähe zu den großen Klassikern Wartenberg, Mühlenberg, Jurassic Park und Kieneck. Es gibt sowohl Blöcke als auch Massive und bisher sind etwa 40 Boulder erschlossen. Anscheinend wurde schon vor Jahren dort gebouldert, aber so richtig bekannt wurde das nicht – zu Unrecht: Die Felsqualität ist sehr gut, die Linien sind schön und das Beste ist, dass das Bouldergebiet in keiner Naturschutzzone liegt.

Erster Tag – Hohe Platte

Hüftarthrose

Hüftarthrose

Ich bin etwas früher als Felix an den Blöcken und stapfe neugierig im weglosen Gelände umher, um einen ersten Überblick und Eindruck von dem Gebiet zu bekommen. Als Felix dann auftaucht, versuche ich gerade meine Finger im Boulder “Knifeblade” aufzuwärmen. Recht doofe Idee, der Name verspricht ja schon Schmerzen und dem Protokoll folgend rutsche ich natürlich auch schön die scharfe Kante mit den kalten Fingern runter – yummy, fängt ja toll an. :)
Davon aber nicht entmutigt ziehen wir weiter an eine hohe Platte, an der Felix in den Wochen zuvor schon ein paar Linien klettern konnte. Inzwischen sind auch Lisa und Stefan mit von der Partie. Während Stefan zusammen mit Felix sich an der Platte versuchen, machen sich Lisa und ich am linken Teil zu schaffen. Lisa putzt eine Schuppe, während ich mich der linken Kante widme. Nach etwa 30

Hüftarthrose

Hüftarthrose

Minuten können wir loslegen: Der Sitzstart zu meinem Boulder besteht aus einem fiesen Hook, bei dem einem fast das Hüftgelenk rausspringt und anfangs will eigentlich überhaupt nichts klappen. Weitere 30 Minuten später habe ich endlich eine Lösung gefunden und stehe auf dem Block. Kurz danach ist auch Lisa erfolgreich und zwei neue Linien sind befreit. Passend zum Gefühl in meiner Hüfte hört der neue Boulder auf den Namen “Hüftarthrose” und müsste so bei 7a+/7b einchecken. Stefan und Felix müssen inzwischen erkennen, dass die leicht geneigte Platte, die von unten nach Kellengehampel aussieht, doch wesentlich subtiler und vor allem deutlich schwerer ist, als zunächst geglaubt. Gemeinsam ziehen wir weiter an den Wildschweinblock.

Erster Tag – Wildschweinblock

Sanglier

Sanglier

Am Wildschweinblock machen wir uns erst einmal an die Putzarbeit. Die Wand selbst ist recht sauber, aber die Topouts verlangen nach schwerem Gerät – was wir natürlich nicht dabei haben. Mit Stöcken versuchen Felix und ich einen Teil des Erdreichs runter zu schubsen. Schlau, wie wir waren, haben wir natürlich davor unsere Crashpads am Wandfuß ausgebreitet, so dass wir zweimal was von der Erde hatten. Nachdem wir mit ein paar Zweigen einen behelfsmäßigen Besen bastelteten, kam

Marcassin

Marcassin

tatsächlich etwas Fels zum Vorschein und wir machten uns ans Ausbouldern. Stefan und Lisa fanden inzwischen ihre eigenen Projekte und putzten ebenfalls fleißig. Zunächst versuchten wir uns an einer ganz seichten Kante, die sich bei genauerer Betrachtung doch nicht als sooo leicht herausstellte, wie wir erst dachten. Saugute Züge und die kleine Grotte unterhalb des Blocks ließen den Boulder dann auf “Le Marcassin” hören und wir schätzen den Boulder auf etwa 6c.
Am gleichen Block stach uns noch eine weitere Linie ins Auge, allerdings war der Start noch ein Rätsel, deswegen versuchten wir uns erstmal daran, den Ausstieg auszubouldern. Ein einziger Move, der es aber in sich hat: Knüppler für links, schlechter First-Pad-Sloper für rechts, bescheidener Tritt und dann hoch dynamisieren – fertig! Nachdem Felix und ich beide den Ausstieg bouldern konnten und auch Stefan und Lisa mit ihrer Arbeit fertig waren, war es so dunkel, dass wir abbrechen mussten.

Zweiter Tag – Wildschweinblock

Grunt

Grunt

Le Sanglier

Le Sanglier

Nächster Tag, gleicher Block. Die ganze Nacht habe ich von den
verfluchten ersten Zügen des letzten Boulders geträumt. Das muss doch gehen! Schmerzbefreit durch das Diclo der letzten Tage versuche ich mich an den zwei Zügen und probiere verschiedene Varianten aus. Für die Hände gibt es nur eine Variante: Start an Doppelleiste, mit links über Kreuz auf die Knüppelleiste, rechte Hand auf den Sloper und hoch. Aber was mit den Füßen – da ist nichts! Vielleicht im 20sten Versuch bleibt irgendwie der teuflische rechte Fuß kleben und ich schaffe es, die rechte Hand auf den Sloper zu bekommen, linken Fuß schrecklich hoch ansetzen und BAM! getroffen, gestickt, fertig! WIESO?! So richtig klar ist mir bis heute nicht, warum der Fuß kleben blieb und das werde ich wohl auch so schnell nicht mehr checken können. Nachdem ich dann noch einen Sitzstart an “Le Marcassin” dranhängen konnte, scheinen meine Finger aufzugeben. Das linke Ringband tut grauenhaft weh und bis heute war ich nicht mehr richtig draußen bouldern. “The Grunt” habe ich mal mit fb8a und “Le Sanglier” mit fb7b bewertet. Würde mich freuen, wenn die starken Jungs sich mal daran versuchen und mir was rückmelden…
Auch wenn das Ganze jetzt mehr als einen Monat her ist und ich immer noch nicht richtig bouldern kann, hat es sich in meinen Augen gelohnt. So ein komprimiertes Problem, letztendlich drei Züge, habe ich noch nie gebouldert, schon gar nicht in dem Schwierigkeitsgrad und – hey, manchmal muss man eben Opfer bringen.

Jetzt geht´s erst mal nach Bleau – so nass, wie die Sloper laut Wettervorhersage sind, ist mein Ringbandproblem dann auch egal…

Sobald ich Anfang nächster Woche wieder zurück bin, stelle ich dann mal meine bisherigen Topos von der Resistance unter den Gebietsinfos online.

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6 Antworten zu “Erstbegehungen am neuen Boulderspot Resistance in der Pfalz”

  1. Jörg sagt:

    Hallöchen,
    ich wünsch Dir und deinen Fingern alles gute.
    Hortenkopf ist ein schöner Spott, keine Frage. Jetzt gibts dort endlich was schweres (zum Träumen ;-) ).
    The Grunt ist BLOC pur!

    LG, Jörg

  2. Nico sagt:

    Hey Marc,

    sehr geiler bericht. habe ja schon davon gehöhrt!
    aber jetzt nach den bildern und dem interessanten text lessen, muss ich dort ja doch demnächst mal vorbeischauen.

    Nico

  3. Marcel sagt:

    9.8 für das Face auf dem letzten Bild!; ) Grats für die Erstbegehungen!

    Greetz, marcel

  4. Daniel sagt:

    Hey Marc,

    herzlichen Glückwunsch zu deiner Begehung!
    Dein Blog ist wirklich super. Freu mich schon auf weitere Artikel! :)
    Was mir schon öfter aufgefallen ist sind deine tollen Bilder.
    Mich würde interessieren mit welcher Camera/Objektiv ihr die Aufnahmen
    macht. Und wie ihr so ein tolles Licht- Schattenspiel hinbekommt.
    Bearbeitest du die Bilder auch nachträglich am PC?

    Bin für jede Info dankbar! Weiter so!
    Beste Grüße, Dani

  5. Alex sagt:

    Hey Marc,

    Gregor und ich waren gestern am Hermersberger Hof.
    Schneeschaufeln am “Haka”, dann “Wartenberg” Projekt probiert und wie immer abgekackt, und dann abends bei Dämmerung noch ans “Grunt”. Ist definitiv DEUTLICH LEICHTER als 8a. auschecken und klettern hat mich 5 bis zehn Minuten gekostet. Denke ist eher so 7c, aber vielleicht auch Morpho.
    Beta: Doppelleiste, rechts guter Tritt im Dach, dann mit links auf Knüppler, und vom selben Tritt aus an Sloperleiste.
    Linken Fuß auf sandigen Tritt an Dachkante friemeln und hochheppen. Ausführung allerdings nicht so offen wie auf dem Bild zu sehen, war eher ein fein dosierter “Hepper”.
    “Blair Wich” im Kalmit ist auf jeden Fall mal noch ein anderes Gerät! Zwischen “Grunt” und “Blairwich” liegen, bewertungsmäßig betrachtet, Welten!!
    Trotz allem cooles Schild!

    …Bouldern ist halt auch immer Morpho, wenn dich noch an “Tricky” (Fb 7b) im “Magic” erinnerst, den ich auf Biegen und Brechen nicht hinbekommen habe, obwohl ich zu dem Beitpunkt bereits öfter Fb 8a an einem Tag geklettert bin, und du mir mehrmals den übelst schweren Cruxzug vorgeklettert hast :-) :-( :_( :_)…

    Gruß Alex

  6. Hallo Alex,

    schön dass endlich jemand Grunt wiederholt hat! Andi und Felix vermuteten auch schon es sei leichter als 8a, ich war mir richtig unsicher, da so wenige Züge, Schmerzmittel usw… Blair Witch fiel mir leichter, ist aber auf jeden Fall auch mehr mein Stil – Bewertungsschnickschnack! :)

    Ich bin froh, dass du “grunt” wiederholt hast!

    Ciao ciao,

    Marc

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