Testbericht: Evolv Predator und Evolv XY
09. November 2009 in Infos, Tests und Tipps | 15 Kommentare | 20130 LeserDer Klassiker von Evolv, der Kletterschuh Predator, ist hierzulande bisher kaum zu sehen. Dies mag zum einen an dem bisher etwas problematischen Vertrieb der vergangenen Zeit, zum anderen an dem Hype des Pontas und des Optimus Prime liegen. Ärgerlich ist das für Kletterer und Boulderer mit schmalen Füßen, da sowohl der Pontas als auch der Optimus Prime eher für mittlere bis breite Füße optimal passen. Außerhalb von Deutschland, besonders in den USA, ist der Predator hingegen sehr beliebt und durch eine Umstrukturierung des deutschen Vertriebes sind jetzt die meisten Evolv-Kletterschuhe auch hier gut verfügbar. Ich habe den “unknown hero”, bzw. den unbekannten Klassiker für euch mal genauer unter die Lupe genommen und ausführlich getestet. Außerdem habe ich mir von Evolv-USA einen Kletterschuh individuell produzieren lassen. Dieses Prinzip nennt sich Evolv-XY Custom Shoe und es ermöglicht, sich einen Kletterschuh im Baukastenprinzip zusammenzustellen. Bisher gibt es dieses Konzept exklusiv bei Evolv-USA, ich habe für euch einen Testrun gestartet und erste Erfahrungen gesammelt…
Quicklinks
- Erster Eindruck
- Verarbeitung & Material
- Klettern & Bouldern
- Hooken
- Passform & Größe
- Details
- Fazit
- Evolv XY
- Links
Erster Eindruck
Auf den ersten Blick sieht der Predator aus wie ein Velcro-Kletterschuh ohne großen Schnick-Schnack: Kein Toehook-Patch, keine Noppenferse und auch keine Dual-Density-Sohle, dennoch sticht ein Aspekt enorm hervor – der Downturn. Schon fast an einen Tukan-Schnabel erinnernd, hat der Predator wohl den brutalsten Downturn der mir bekannten Kletterschuhe. Der Predator ist vollständig aus Kunstleder gefertigt und vermittelt dem Kletterer bereits beim ersten Reinschlupfen einen weichen, geschmeidigen Eindruck. Die Trax-XT5-Sohle aus dem Hause Evolv ist etwas härter als die der aktuellsten Modelle, die Schuhspitze sitzt an der richtigen Position und wirkt sehr präzise.
Verarbeitung & Material
Am Predator ist alles gut verarbeitet. Mir fällt nichts Unsauberes oder Ungenaues auf. Verklebung, Nähte, Übergänge, alles macht einen guten Eindruck. Nach etwa 3 Wochen löste sich aber leider die Verklebung des Randgummis auf der Schuhoberseite ab. Das sollte eigentlich nicht passieren, liegt aber wohl daran, dass die Verklebungskante recht ungünstig sitzt (direkt am größten Druckpunkt des großen Onkels). Mir ist das auch schon früher bei Schuhen ohne einen Toehookpatch passiert und das Problem lässt sich mit z.B. mit dem Stealth Paint Kit gut reparieren. Dennoch sollte das natürlich nicht passieren. Ungewöhnlich für einen Kletterschuh mit so starkem Downturn ist, dass dieser Downturn auch nach sehr ausgiebigem Klettern erhalten bleibt. Viele andere Downturnschuhe neigen dazu, wenn sie denn mal sehr eingeklettert sind, den Downturn zu verlieren.
Klettern & Bouldern
Für den Predator habe ich nahezu keine Einkletterphase benötigt. Direkt aus der Box vermittelt er ein gutes Gefühl und auch die Sohle ist schön griffig. Kleine Tritte lassen sich sehr präzise treffen und auch in Löcher kommt man dank der schmalen Schuhspitze recht tief hinein. Verglichen mit den neuen, dünnen ultra sensiblen Kletter- bzw. Boulderschuhen erscheint die Trax-XT5 Sohle des Predators anfangs eher etwas hart, bereits
nach ein paar Stunden wird diese aber deutlich flexibler und man kann gut spüren, ob man einen Tritt richtig erwischt hat. Dank des starken Downturns bleibt man, auch ohne mit den Zehen greifen zu können, an vielen Tritten im steilen Gelände noch hängen. Der krasse Downturn sorgt aber auch dafür, dass schwierige Toehooks kaum halten, man kann die Zehen einfach nicht steil genug anheben. Daher eignet sich der Predator in meinen Augen nicht für alle Boulder, glänzt aber dafür beim Routenklettern im steilen Gelände. Verglichen mit z.B. dem Project oder dem Speedster wird die Zehenmuskulatur durch die härtere Sohle deutlich entlastet.
Bereits vom Ansehen sollte einem klar sein, dass es recht sinnlos ist, den Predator in bleautypischen Reibungsplatten zu benutzen, da gibt es geeignetere Schuhe für.
Hooken
Ich brauche für Hooks einen Schuh, der einfach gut an der Ferse sitzt. Gimmicks wie spezielle Lippen usw. empfinde ich eher als störend, da sie mir die Sensibilität und das Gefühl dafür nehmen, ob ein Hook sitzt und hält, oder rutscht. Die Ferse des Predators hat keine großen Besonderheiten außer der wichtigsten: Sie passt einfach! Das Material ist nicht zu dick – man spürt genau, ob der Hook hält oder nicht, bekommt aber keine Schmerzen von durchdrückenden Felszähnen. Von der äußeren Form her ist die Heelcup eher flach und deswegen gut geeignet für sloprige Hooks, wie z.B. auch der Solution. Im Vergleich zum Jet7 lässt es sich aber schwerer auf sehr kleinen Leisten, oder gar in Lettenschlitzen hooken.
Passform & Größe
Predator, Pontas, Optimus Prime – die Evolv Kletterschuhe fallen modellübergreifend recht gleich aus. Dies ist besonders erfreulich, wenn man z.B. vom Pontas zum Predator wechseln möchte, aber nicht genau weiß, welche Größe man bestellen sollte. Mit meiner Straßenschuhgröße von 42-42.5 passt mir der Evolv Predator in 41.5 perfekt. Man sollte den Predator also etwa eine Nummer kleiner wählen. Die Zehen sind stark aufgestellt, der Predator drückt aber nirgendwo schmerzhaft. Auch nach oben gibt das Kunstleder ausreichend nach, so dass sich keine Schwielen auf den Zehenknöcheln bilden. Der Mittelfuß wird luftfrei eingeschlossen und die Ferse passt sowohl von der Seite, als auch an der Achillessehne nahezu optimal. Mir ist nie die Ferse rausgerutscht und auch beim seitlichen Antreten auf kleinen Leisten hat der Schuh keine Tendenz dazu, sich um den Fuß zu wickeln/rollen.
Details
- Hersteller: Evolvesports
- Modell: Predator
- Konstruktion: Velcro
- Breite/Volumen: schmal bis mittel
- Obermaterial: Kunstleder
- Innenmaterial: gefüttert
- Zwischensohle: MS-SS Zwischensohle
- Sohlengummi: Evolv Trax-XT5 Rubber
- Farbe: Grün/Schwarz
- Gewicht: ca. 430 Gramm / Paar
- Preis: ca. 110,- EUR
- Lieferbarkeit: sofort
Fazit
Der Predator ist ein guter Schuh für steile Routen und steile Boulder. Der starke Downturn spielt im Steilen seine ganzen Vorteile aus, bringt aber beim Toehooken auch Nachteile mit sich. Für Heelhooks eignet er sich sehr gut und auch das Anstehen auf kleinen Leisten geht sehr präzise und kraftvoll. Mit seiner schmalen Spitze eignet er sich auch zum Treten in kleinen Löchern. Der Sohlengummi von Evolv ist klasse und hat bereits aus der Box sehr gute Reibungseigenschaften. Die Passform scheint ausgewogen, aber eher für schmale bis mittelvolumige Füße ausgelegt zu sein. Insgesamt sitzt der Predator sehr angenehm und geschmeidig am Fuß. Wer auf der Suche nach einem Evolvschuh ist, dem aber der Optimus Prime zu breit ist, der findet im Predator eine aggressive Alternative…
Evolv XY
Bereits vor einiger Zeit berichtete ich über die Möglichkeit, sich bei Evolv einen Kletterschuh nach eigenem Gusto anpassen zu lassen. Das habe ich inzwischen getan: Ich bestellte mir einen Pontas – Optimus Prime Hybrid mit weicherer Zwischensohle, Optimus-Prime Toehookpatch und eigenen Farben. Nach etwa 3 Wochen war der Schuh dann auch bei mir. Berücksichtigen sollte man unbedingt, dass zu den recht teuren Customshoes auch noch die Zoll- und Liefergebühren hinzukommen. Insgesamt ist so ein customshoe keine günstige Sache und man sollte recht genau wissen, was man sich bestellt (Größe, Passform, etc.). Das Prinzip finde ich aber absolut richtungsweisend und innovativ. Ich wünsche mir, dass mehr Hersteller solche Individualisierungsmöglichkeiten anbieten – spontan kommen mir da ein paar Ideen:
- La Sportiva Solution mit dünner Speedster Sohle
- Katana mit Solution Toehookpatch
- Jet7 mit dünner Project Sohle
- Jet7 mit schmalerem Mittelfuß
- Project mit Jet7 Fersenlippe
- Matador mit dünnerer Sohle und dünnerem Toehookpatch
- …
Erwähnenswert ist auch die Sohle, mit der der Evolv XY geliefert wurde: Die Eco-Trax ist wohl die Nachfolger-Sohle der Trax-XT-5 und aus recycletem Material gefertigt. Von der Reibung und Haltbarkeit konnte ich keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Sohlen feststellen, beide Sohlen sind top!
Dass ein echter Markt für Individualisierung besteht, zeigt auch die große Nachfrage nach dem Stealth Paint Kit von Five Ten. Und wenn ich mich im Bekanntenkreis umhöre, dann hat fast jeder irgendwas irgendwo zu verbessen/optimieren. Ich sehe das Evolv-XY momentan als Pilot-Marktprojekt und hoffe, dass wir in den nächsten Jahren den gleichen Mut & die gleiche Innovationsfreude auch bei anderen Herstellern sehen können.
Der Deutschland-Vertrieb von Evolv wurde vor kurzem von Michael Schaefer übernommen. Wir können also davon ausgehen, dass ab sofort die ganzen Lieferschwierigkeiten der Vergangenheit angehören und wir in Zukunft mehr Evolv Kletterschuhe an den Felsen und in den Hallen Deutschlands sehen werden.













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Interessant, Marc.
Die Evolv Schuhe würde ich schon gerne mal anprobieren, gerade der Predator sieht gut aus.
Aber erstmal stehen ja die Edelrid Tours mit ihrem Raven an
Danke für den test!
Gruß, Marv
PS: Keith bradburry (unclesomebody.com) hat mal wieder einen neuen Film rausgebracht. In meinen Augen ABSOLUT Spitze, diesmal leider als Kaufversion, die sich aber definitiv lohnt. Meine DVD dürfte in 1-2 Wochen kommen, HD Download hab ich schon, und auch gesehen. Sehr toller Film. Falls du also mal die DVD haben willst, melde dich, ich bin so um den 20. Dezember mal wieder im Blockwerk unterwegs.
Hi Marc, tolle Sache! den Predator den du im Test hattest ist aber noch das “ältere” Modell oder? den hatte ich auch schon und war sehr begeistert. Wieviel hast du den alles in allem dann für den xy gezahlt wenn ich fragen darf?
Hi Marvin,
mein Download läuft gerade noch
Danke für den Hinweis!
Falls Du Lust haben solltest: Am 21.November findet im Blockwerk das “Herbst Hangeln 2009″ statt und es wird das 2te Jubiläum gefeiert. Gibt eigentlich immer tolle Preise und coole Boulder – mehr dazu gibts in Kürze auch hier im RokBlog!
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Hey Marcus,
bei dem Predator handelt es sich tatsächlich um das aktuelle Modell, den Klassiker. Der Nachfolger soll 2010 rauskommen, dann aber mit den ganzen Gimmicks. Ich persönlich glaube, dass der Aktuelle, tatsächlich der Bessere ist. Besonders gut ist, dass man wohl in nächster Zeit mit einem ordentlichen Abverkauf-Nachlass rechnen kann, wenn der Erscheinungstermin vom Predator 2 näher rückt.
Der XY bzw. Custom müsste je nach Variante alles in allem so bei 150,- EUR liegen. Ne stolze Summe, aber das Konzept und die Idee dahinter finde ich top!
Gruß an euch beide,
Marc
Hi,
kommt denn da noch ein Test über deinen persönlichen evolv xy?
Hallo Marc,
danke für den Bericht – immer wieder fein von Dir zu lesen!!!
Wenn so ein Customschuh nur!!! €150.- kostet, wäre das ja für mich mal der billigste Kletterschuh – allerdings nur, wenn man Diesen auch in verschiedenen Größen für rechts und links bestellen kann.
Kannst Du mir darüber was sagen?
schönen Grüße nach oben
ziag
gibt es den xy auch mit lederausstattung und klimaanlage – wenn ja käme er vielleicht als zweitschuh für
nette wochenendausflüge am johanniskreuz in frage.
Hey Ziag,
zumindest in den USA kann man bei Evolv einige Schuhe auch in “Split Size- Option” bestellen. Das kostet dann aber +30$ und es geht nicht bei allen Schuhen. Ist auf jeden Fall sehr ärgerlich, wenn man zwei unterschiedlich große Füße hat. Mit sehr viel Glück kannst Du aber bei http://your-pair.com/ fündig werden.
@lolo:
Leder ist was für Zuhälter – Alcantara ist der Stoff aus dem die Träume sind
Schönen Gruß an euch beide,
Marc
Mann mann mann, kletterschlappen kann man nie genug haben, hab warscheinlich fünf mal so viele wie mormale Schuhe und geb zehn mal soviel Knete dafür aus im Jahr
Und das bei lehren Kassen. Aber die Evolvedinger mus ich trotzdem mal testen!
Servus,
danke für den Test, als Anmerkung noch folgendes:
Auch meinen neuen Pontas wurden mit ecoTrax vom Händler ausgeliefert…
Gruß Betze
Hallo Marc,
mal ein kleiner Bericht von mir:
Wir haben heute als Erweiterung unserer Leihschuhe (allerdings außer einmal in 7,5 noch nicht im Umlauf) die Edelrid Tornado bekommen.
Ich muss sagen, hui und pfui.
Pfui weil die Velcros ECHT hässlich sind- sie klappen wunderbar, und durch den recht breiten Bereich in dem man sie andrücken kann auch gut einzustellen. Aber: Der Aufdruck ist wirklich buäääh.
Pfui weil die Ferse sehr hoch geschnitten ist- hab das Ding heute 5 Personen mal in die Hand gedrückt zum anprobieren, entweder schneidet es am knöchel oder an der Achillessehne.
Hui weil…tolle verarbeitung, und in der Mitte und Vorne ein UNGLAUBLICH genau, perfekt, und bequemer Schuh. Da mir ebenfalls die Solutions passen, könnten also die Edelrid Leisten auch was für dich sein.
Passen tut er mir übrigens am besten in 8, Straßenschuhe hab ich 9.
Lasportiva würde ich mir immer so in 7-7,5 kaufen. Je nach modell (Speedster enger, Miura größer…)
Zum Herbsthangeln:
Ich hab bis 17:00 schicht in unserer Kletterhalle, würde es also erst so gegen 17:45-18:00 nach Mainz schaffen. Das sollte aber kein problem sein, oder? Dürfte dann ja immer noch 3h Zeit zum ausprobieren sein…
Gruß
Marv
Servus Marc,
) Der Randgummi hat sich bis jetzt nicht gelöst, die Schuhe sind beide nun schon fast durch (die Sohle – nicht die Zehenkappe) und der Downturn ist noch immer vorhanden!!! Noch immer klebt der “Restgummi” auf den Spaxen. Ausserdem sind beide Modelle in irgendeiner Art und Weise gefüttert, sodass der Schuh absolut perfekt anliegt und selbst Toehooks mit stark aufgestellten Zehen nicht auf deren Knöcheln schmerzen. Also ich kann nur sagen, Hut ab, Evolv, saubere Arbeit!!! Gilt ebenfalls für dich, Marc! 
Finde deinen Test zu Evolv absolut Super! Habe den Predator selber zwar nicht (meine Schwester kann aber ebenfalls nur gutes berichten), trage allerdings seit einem Jahr (nur zum Training, da ich ihn günstig über die Bucht bekommen habe) den Evolv Talon (Schnürer) sowie den Agro (Slipper der mittlerweile aus dem Sortiment verschwunden ist – Schade!). Bei diesen beiden Modellen, ist der gleiche Leisten verwendet worden wie auch beim Predator, allerdings haben beide im Unterschied zum Predator eine gummierte Zehenkappe!
Grüße aus München
Bill
[...] Testberichte Ausrüstung Evolv Predator und Custom [...]
Den Schuh gibts diese Woche bei den Bergfreunden für 82,46 €!
Hi Marc,
ich habe gerade gesehen, dass es bei den Bergfreunden den Evolv Predator G2 gibt. Hast du den Schuh schon zwischen die Finger bzw. an die Füße bekommen? Wenn ja, kannst Du mir sagen, wie er im Vergleich zum normalen Predator ist?
Gruß
Basti
Hi Basti, ich kann dir leider keine definitiven Infos über den G2 geben, da ich keine persönlichen Erfahrungen mit ihm machen konnte. Bei allen Evolv Kletterschuhen die ich die letzte Zeit anhatte, habe ich aber die gleiche Größe, deswegen VERMUTE ich, dass Evolv ihre Größen auch bei den neuen Modellen beibehält und du von einem, auf ein anderes Modell schließen kannst.
Schönen Gruß,
Marc