Testbericht: Kletterschuh Project von Five Ten
27. April 2009 in Infos, Tests und Tipps | 5 Kommentare | 20730 LeserDer Project ist der neueste Kletterschuh des amerikanischen Herstellers Five Ten. Angekündigt für Frühjahr 2009 wird der Project noch diese Woche in den Läden verfügbar sein. Ich konnte den sehr weichen Velcroschuh bereits vorab ausgiebig für euch testen und prüfen, was der Project kann und für wen sich der Schuh optimal eignet. Bisher war ich eher skeptisch zu den amerikanischen Kletterschuhen eingestellt – Qualitätsmängel und eine für meinen Fuß nicht wirklich optimale Passform ließen mich bei meiner Schuhwahl immer ausweichen. Meine Erfahrungen mit dem Project sind aber gut – soviel schon mal vorab: Der Project ist sehr weich, passt und macht Spaß…
Erster Eindruck
Der Project ist der jüngste Spross der Five Ten Kletterschuhe. Aus sehr weichem Leder und ohne Innenfutter gefertigt, schmiegt sich der Project schön an den Fuß an. Ein einziger Velcroverschluss fixiert den Schuh am Fuß, beim Anziehen helfen die drei großzügigen Einstiegsschlaufen. Die Sohle ist mit lediglich 2.5mm Stärke sehr dünn, dazu kommt der Project noch ohne Zwischensohle aus. Beim ersten Anziehen fühlt er sich also eher wie eine leichtgewichtige Socke als ein Kletterschuh an. In Apfelgrün-Weiß und Schwarz präsentiert sich der Project und sieht nicht zu aggressiv aus. Der Downturn ist aber sehr stark und zeigt, wo der Project hingehört: Überhänge und Dächer.
Verarbeitung & Material
Die Verarbeitung ist gut, keine Klebereste, keine losen Fädchen, kein Ratschen oder Knacken beim Anziehen. Die Sohle ist scharf hinterschliffen, d.h., es bildet sich beim Antreten keine überstehende ‘Lippe’ auf kleinen Tritten. Auch im Innenschuh sind die Nähte so verteilt, dass sie nicht auf sensible, ohnehin schon gepeinigte Stellen wie Ferse und auf den großen Onkel drücken. Das Leder ist weich und macht einen robusten Eindruck. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die neue Sohle. Stealth Mystique heißt der neue Rubber und soll langlebig und sticky sein. Ich bouldere den Project fast drei Wochen, auch im sehr scharfen Granit im Odenwald und kann bisher keine Einkerbungen/Schnitte erkennen und hatte ein gutes Reibungsgefühl beim Antreten.
Klettern und Bouldern
Five Ten folgt mit dem Project dem Trend der Kletterschuhhersteller, immer weichere und sensiblere Schuhe zu entwickeln. Der Project trifft dieses Marktsegment genau. Durch die weiche Konstruktion kann man Tritte richtig greifen und anders als mit älteren Kletterschuhmodellen mit den Füßen richtig ziehen. Klar, dass darunter die Power auf kleinen Leisten noch mehr von der eigenen Zehenkraft abhängt und der Fuß schneller ermüdet als bei einer steiferen Sohle. Das ist es aber wert! Zehenkraft kann man trainieren und das Klettern wird einfach natürlicher in der Bewegung. Mit dem Project trifft man Tritte präzise und hat ein sensibles Gespür dafür, ob man die kleine, teuflische Lippe auch 100%ig getroffen hat – oder eben nicht. Schwerere Kletterer und Boulderer werden vielleicht so ihre Probleme mit den neuen, weiche Kletterschuhen bekommen, da es fast ein barfüßiges Klettergefühl ist und je mehr man wiegt, desto mehr muss die Zehenmuskulatur leisten. Ich finde den Trend der Hersteller zu weicheren Kletterschuhen spitze und möchte nicht mehr mit harten Kletterschuhen bouldern.
Hooken
Hooken und Five Ten ist für viele Kletterer ein heikles Thema. Die langjährigen Kletterer kennen noch den pinkfarbenen Entenschnabel, dann das Update und die sehr schmalen Fersen des V10 – richtig gut hooken konnte man eigentlich nie. Beim Project hat sich wirklich etwas verändert: Die Ferse fühlt sich ausgewogener an und ich spüre deutlich weniger Hohlräume. So wie ich das von meinen Solutions kenne, dass die Ferse richtig ‘einrastet’ ist es nicht, aber dennoch ist die neue Five Ten Konstruktion ein echter Fortschritt verglichen mit den älteren Modellen.
Der Velcro fixiert den slipperartigen Project sehr gut am Fuß, so dass man fast passiv im Hook hängen kann. Für Toehooks ist abgesehen vom Zehengummi wichtig, dass man die Zehen aktiv anheben kann – bei Schuhen mit starkem Downturn fast unmöglich. Der weiche Project läßt sich prima Toehooken. Besonders wenn man den Schuh nicht absolut knalleng wählt, kann man die Zehen schön anheben und den Winkel zwischen Spann und Zehen zum Festhaken benutzen. Der Gummi auf der Zehenkappe ist sticky und die nicht gummierten Stellen halten wegen des Wildleders auch sehr gut.
Passform und Größe
Der Project ist eher für niedrig- bis mittelvolumige Füße geeignet. Die Zehenbox ist flach und schmal. Trotz meiner langen Zehen habe ich aber keinen Druckschmerz auf den Zehen. Sehr gefreut habe ich mich über die vielen Einschnitte und Ausstanzungen in den Gummierungen: Bereits vor Jahren hatte ich mir damals überlegt, dass der Anasazi VCS2 von oben zu sehr drückt und habe mir die Gummierung selbst eingeschnitten um Dehnbarkeit trotz Gummierung zu erreichen. Schön, dass Five Ten ‘meine’ Idee aufgreift. Im Mittelfußbereich sind die Seiten etwas lasch, jedenfalls werfen sie bei mir Falten, die ich auch nicht durch engeres Zuziehen des Velcros wegbekomme. Schlecht fühlt sich das nicht an – sieht nur auf den ersten Blick etwas merkwürdig aus. Einschränkungen hat man keinerlei dadurch! Ich habe den Schuh recht groß gewählt – in Straßenschuhen habe ich etwa 42, den Project wählte ich in 41. In einem weichen Schuh, der dazu noch durch einen Velcro fixiert werden kann, wollte ich meine Füße nicht unnötig peinigen und die Weichheit nicht durch einen zu engen Schuh wieder wegmachen. Vermutlich wäre ich mit dem 40.5er aber langfristig besser bedient gewesen, da sich der Schuh doch deutlich weitet bzw. längt. Als Hausnummer kann man sich etwa 1-2 Nummern kleiner als Straßenschuhgröße notieren.
Details
- Modell: Project
- Konstruktion: Velcro
- Breite/Volumen: niedrig bis mittel
- Obermaterial: Wildleder
- Innenmaterial: ungefüttert
- Zwischensohle: keine
- Sohle: 2.5mm Stealth Mystique
- Farbe: grünweiß
- Gewicht: 420 Gramm
- Preis: 124,95 EUR -JETZT bei den Bergfreunden bestellbar!
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Fazit
Der Project ist der weicheste Kletterschuh von Five Ten und liegt voll im Trend der neuen, ultra weichen Bouldersocken. Sehr präzise und sensibel will der Project in Dächer und Überhänge – wählt man ihn nicht zu knalleng, dann spürt man auch auf Platten jedes Felskörnchen und kann sauber stehen. Kleinste Leisten in senkrechtem Gelände sind anstrengender als mit steiferen Sohlen und erfordern je nach Körpergewicht sehr viel Zehenkraft. Die 2,5mm dünne Stealth Mystique Sohle macht auf den ersten Blick einen guten, zuverlässigen Eindruck. Über die Haltbarkeit kann ich noch keine verlässliche Aussage treffen. Mit dem Project lassen sich Tritte richtig greifen und es macht Spaß, mit ihm zu klettern. Ca. 125 EUR sind zwar eine stolze Ansage, aber der Schuh ist wirklich gut. Der Project ist eine sehr gelungene Alternative zu dem auslaufenden V10 und wird diesen ablösen und übertreffen.









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Guten morgen Mark,
danke für den gut geschriebenen, ausführlichen Bericht – klingt für’s bouldern sehr verlockend.
Projekt versus Speedster? die spieln ja in der selben Liga – welches ist für Dich das augewogenere/bessere Konzept?
Eine kleine Anmerkung zu weichen Schuhen und klettern:
Schmerzen im Grundgeleng von großen Onkel breitmachen.
Ich klettere seit Jahren den Cobra von La Sportiva, und habe als “Waffe” für Durchstiege immer ein praktisch durchgeklettertes Paar dabei – das hat sich auch Prima bewährt – super Sensibel und sehr gute Performance….
Ich bin zwar kein Leichtgewicht (65kg) aber die Zehenkraft konnte ich dafür eigentlich immer aufbringen, das ist nicht das Problem; Vielmehr ist es schön langsam so, dass sich nach 17 Jahren klettern und ev. auch mit dem älterwerden
Deswegen, und für unsere oft nur leicht überhängenden Routen, versuche ich gerade wieder mit etwas härteren (d.H. mehr unterstützenden) Schuhen zurecht zu kommen…
Dies als Anregung immer auch auf die Signale seines Körpers zu hören.
geht scho
ziag
Servus Ziag,
65Kg und kein Leichtgewicht?!? Dafür würden dir hierzulande einige den Kopf abreissen
Ich habe da eher an Kletterer so um die >80 KG gedacht.
Hast absolut Recht mit den Signalen des Körpers – ALLE meine Verletzungen habe ich mir (leider erst) rückblickend in den ‘Leistungs-Tälern’ zugezogen, wenn der Körper UND DER GEIST einfach Pause wollen und brauchen. Ich würde es auch gerne mal schaffen im Jahr mal 3-4 Wochen komplett zu pausieren um danach überzukompensieren, aber der Klettersucht werde ich nur schwer Herr. Die Grundgelenke sind bei mir noch gut in Schuss, wenn ich aber Routen und Boulder schraube und dabei meine richtig großen Schuhe anhabe, dann tun mir danach auch die Grundgelenke weh. Vielleicht weil der Zeh dann länger und der Hebel dadurch schlechter ist?
Vor ein paar Jahren gab es mal folgenden Warnhinweis auf dem Karton eines Five Ten Kletterschuhs:
“Do not fit your shoes too tight, or tears of pain will prevent you from seeing those micro edges!”
Den Speedster und den Project zu vergleichen ist tatsächlich recht schwer, auch wenn beide Schuhe dem gleichen Trend zu weichen Kletterschuhen folgen. Beide Ansätze sind unterschiedlich und bei DER Spezialisierung ist das ein deutlicher Unterschied.
Der Project ist mehr Schuh und die Ferse verzeiht durch den Velcro weniger Anpressen. Die Spitze ist schmaler, macht einen etwas präziseren Eindruck und passt vermutlich etwas tiefer in Löcher rein.
Der Speedster ist noch mehr Socke und trotz der etwas dickeren Sohle nochmals weicher. Greifen mit den Zehen geht besser, die Ferse ist wie bei allen Slippern bei Hooks schwerer zu pressen. Das Klettergefühl hat sich für mich beim Speedster deutlicher verändert, die Spitze wird beim Serienmodell etwas anders ausfallen-ich hatte ‘nur’ ein Sales-Sample.
Wenn man sich zwingend für einen der beiden Entscheiden muss, dann würde ich entweder der persönlichen Marke treu bleiben, oder man bestellt sich einfach beide, probiert an und schickt den weniger gut passenden zurück. Die Entscheidung kann ich euch natürlich nicht abnehmen.
Viele Grüße, vielleicht hast du ja mal Lust im Sommer in der Silvrette zusammen zu bouldern?
Marc
Hey Marc,
Ich werde mir demnächst ein Paar neue Schuhe zulegen. Ich möchte mal einen FiveTen probieren, aber ich kann mich nicht entscheiden. Project oder Jet 7? Beim Project, hab ich auf Grund der dünnen Sohle Angst, dass er mir zu schnell kaputt geht. Vom Jet 7 hört man wenig, sollte eigentlich die Neuauflage des so beliebten V10s sein. Zur Zeit kletter ich den Evolv Pontas, bin sehr zufrieden damit. Aber ich will jetzt speziell fürs bouldern auch einen etwas aggressiveren Schuh mit Downturn.
lg,
chris
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