Bouldern in Chironico und Brione, April 2009
12. April 2009 in Fotos, RokBlog | 9 Kommentare | 18754 LeserKurz bevor die Horden das Tessin zum Bouldern über Ostern heimsuchten, erhaschten Stefan – der Bürgermeister vom Kletterdorf – und ich noch ein paar ruhige Tage an den schönen Boulderblöcken. Antizyklisch zum üblichen Verkehrschaos zu Ostern starteten wir Sonntagabend und erreichten gegen Mitternacht unser Ziel: Chironico. Nachdem wir ein paar Tage der Hitze trotzten, zogen wir dann weiter nach Brione ins Verzascatal um etwas bessere Bedingungen und grandiose Boulder zu finden.
Erster Tag – Serre moi fort und Centrale in Chironico
Das Aufwärmprogramm verlief schäbig: Wunde Finger, schwache Arme und direkt den zweiten Block projektieren müssen – die Bedingungen waren fies! Bis kurz nach der Mittagszeit verzweifelten wir an den warmen Slopern und selbst Boulder, die ich ein Jahr zuvor flashen konnte, wollten einfach nicht gelingen.
Nach kurzer Pause und etwas entnervt zog ich weiter an ‘The real Shield‘, fb7c und nachdem ich im flash eine wichtige Leiste übersah, toppte ich im zweiten Go aus. Weiter gings am Highball ‘Comment tu t’appelle‘, fb7b+ im Sektor nebenan. Auch wenn die Hauptschwierigkeiten im unteren Teil liegen, musste ich mich erstmal an die Höhe und die wackligen Züge gewöhnen bis der Boulder klappen wollte. Es gibt auch ein Video meiner Begehung, das dauert aber noch ein Weilchen – leider konnte der Akku des Camcorders die Hitze gar nicht gut leiden, deswegen gibts nur diesen einen Clip. Akkutod am ersten Tag- super! Wir kletterten noch ‘Lemon Tree‘, fb6c+ einen Klassiker und entsprechend schwer bei diesen Bedingungen, dann waren auch unsere Akkus leer.
Zweiter Tag – Schattental fiume, Boogalagga und Deliverance
Zum frühen Morgen zogen wir in das Schattental um dort die guten Bedingungen bei den Bouldern im Bachbett zu suchen. Täglich grüßt das Murmeltier – bereits der Aufwärmboulder will sich gar nicht friedlich ergeben, ‘Lucello in chiesa‘, ‘Feccia X‘, ‘Tramonto di-vino‘ und ‘Palp Friction‘, fb7a stellen uns vor härtere Probleme als erwartet. Wir ziehen durch den Sektor ‘Boogalagga’ in den Sektor ‘Deliverance’. In kurzer Zeit gelingen mir ‘Carpe Diem‘ und ‘Quasimodo‘, fb7b+.
Dritter Tag – Deliverance, Nivo bassa
Stefan scheiterte am Ausstieg von ‘Quasimodo‘ lediglich im Durchstieg, die Einzelzüge klappten alle. Nach kurzem Aufwärmen ziehen wir wieder an sein Projekt und nach lautem Wehklagen und inzwischen blutenden Fingern gelingt ihm seine erste fb7b+. Gratuliere!
Weiter gehts im Sektor ‘Nivo bassa‘ – ‘Arabald‘, fb7b gelingt mir im dritten Versuch. Frank Kretschmann, der Fotograf von funst.de schoss bei meinen Versuchen ein paar Bilder für einen Artikel auf climbing.com – vielleicht reicht er mir diese ja noch nach?
Bereits bei meinem letzten Tessintrip stand ich mit Mia zusammen vor ‘Slimeline‘, fb7c+, einer hohen, Megalinie mit teuflisch schlechtem Absprunggelände. Nachdem Stefan und ich bepackt wie zwei Maulesel die vergangenen Tage mit insgesamt fünf Crashpads durch die Blöcke zogen, will ich ein paar Versuche wagen. Bereits der Start ist schrecklich anstrengend und es dauert lange, bis ich eine Lösung finde. Am offensichtlichen Untergriff muss ich mich zunächst von unten reinstemmen - sehr pressig! Der Ausstieg ist dann eher ein moralisches Problem. Nach kurzer Pause gelingt mir dann der Durchstieg und ich bin sehr glücklich, diese super Linie gebouldert zu haben.
Vierter Tag – Brione
Brione befindet sich im Verzascatal und ist für mich das schönste der mir bekannten Gebiete im Tessin. Aufgeteilt im mehrere Sektoren und ohne Topo findet man hier alles was man braucht: Berge, Wiesen, Bach, Strand und wunderschön gebändert und bizarr geformte Blöcke.
Uns zog es als erstes hoch in den Sektor Wiese. Stefan war noch sehr vernichted vom Vortag und auch der offene Finger wollte nicht so richtig. Wir machten ein paar Genussboulder, dann widmete ich mich einer vor einem Jahr von mir versuchten fb7c, deren Name ich leider nicht kenne. Nach 20 Minuten toppte ich aus und wir zogen weiter an ein kleines Dächlein auf der Wiese.
Der linke Boulder soll wohl so bei fb7b einchecken und verlangte mir viel ab: Die einzige Variante für mich bestand darin, einen sloprigen Untergriff komplett aufzuspannen, bis in die Kelle im Dach – elendig, aber erfolgreich.
So schön und idyllisch der obere Sektor auch ist, uns zog es runter in den Bach, wo die ausgespülten, bizarren Formen einzigartige Boulder bieten. Das Highlight war definitiv der ‘Bachblock‘,fb7c. Ein grosser Block mit kleinem Kiesstrand und abgefahrenen Bewegungen. Mich kostete es den ganzen Abend, bis die Temperaturen passten und ich eine Lösung fand. Wirklich ein eindrucksvoller Spitzenboulder!
Fünfter Tag – Brione und Nivo bassa
Wir sind platt! Der fünfte Tag in Folge zeigt seine Spuren. Bei mir weniger die Haut, dafür die Kraft. Ich fühle mich geschunden! Nachdem wir mehr oder weniger rumstümperten fuhren wir wieder zurück nach Chironico in den Sektor Nivo bassa.
Im Führer sah ‘Made in Norway‘, fb7b sehr gut aus und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Schöne Seitleisten und Sloper führen aus dem Überhang, im Rücken hat man eine parallele Platte, die einen sanft fängt – sehr gediegen.
Auch Stefan kommt wieder zu Kräften und knüppelt die Leisten, bis das Wasser läuft. So auch am ‘Hopper‘, fb7a den Stefan dann im Anschluß versucht. Bei mir ist die Luft raus – stümperhaft versuche ich mich noch an einer unbekannten Kante und kombiniere zum Finale noch einen Ausstiegsboulder mit dem ‘Hopper‘ – keine Ahnung, ob das ne Erstbegehung war oder nicht, jedenfalls ist es ein logischeres Ende und komplettiert den ‘Hopper‘ zu einer vielleicht fb7a+, ‘Hopper extended‘. Mal schauen, ob es Nachfolger gibt, jedenfalls habe ich ein paar Tickmarks hinterlassen – quasi als Einladung
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Links
- kletterdorf.de – die freundliche Klettercommunity
- funst.de – Webseite des Fotografen Frank Kretschmann











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Hi Hi.. Haben uns kurz am “Long distance Runner.. Block gesehen mit meiner Freundin und Frank.. Deine Verlängerung von “Hopper” ist von mir und heißt “Hop oder Top” und ich hatte auch gesagt so 7a+! Dann haßte auch nen Namen…
Cooler Bericht! Und auch mit feinen Bildchen kombiniert:-)
Ah, klasse! Danke Heiko! Habe mir ja eigentlich schon gedacht, daß ich gar nicht der erste sein kann, der auf die Idee gekommen ist.
Haste auch ne Ahnung wie der Boulder an der linken Kante heißen könnte und wie schwer der so etwa ist? Ist anscheinend auch neu und einladend
Viele Grüße in die Fränkische,
Marc
Weiß nicht genau wie schwer,hab ihn mal bis zur Kante geklettert dann wieder abgesprungen da oben noch Schnee lag (Hoch!) denke so 7b+. Will ich unbedingt machen wenn wieder da, finde die Linie super und Hohe Boulder sind eh das beste;-)
Vg
Ach ja die Bachblock 7c heißt “Sonnenanbeter”!
Jup, finde die Linie auch super! Kommt Herbst, kommt Kante – momentan ists irgendwie schon etwas zu schlonzig und ich freue mich auch schon total auf Magic Wood.
Danke nochmal für deine Infos und auch für deine Boulder. Bist ja eifrig am Erschliessen, wenn man die News auf
boulder4fun.de durchliest.
Gruß, Marc
kleine anmerkung: wiese ist in brione tabuzone! wie ich lese habt ihr da gebouldert?!?
Hallo Dave,
wie kommst du darauf, die Wiese sei aktuell Tabuzone?
Mein Stand ist folgender:
Klaro, daß ‘ok’ hier immer heißen soll, daß man sich rücksichtsvoll nicht nur der Natur gegenüber, sondern auch zu den Anwohnern verhält!
Ich habe mich in meinem Bericht aber etwas mißverständlich ausgedrückt:
Mit Wiese meinte ich den Bergteil hinter bzw. links oberhalb der eigentlichen Wiese (Molonk, etc.).
Das Dächlein ist in der Tat auf der Wiese, allerdings ist selbige noch so vom Schnee bedeckt, daß keinerlei Beeinträchtigung geschehen ist.
Hast du andere Neuigkeiten, wenn ja woher? Fände ich super, wenn du mir ein Update geben könntest – im Rhein-Main-Gebiet ist man ja doch recht weit entfernt von den aktuellsten Infos.
Gruß,
Marc
[...] Schweiz Brione Ostertrip 2009 [...]
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