Bouldern im Tessin – Tessintrip Januar 2009
03. Februar 2009 in Fotos, RokBlog | 3 Kommentare | 14864 LeserDie vergangene Woche verbrachten Mia und ich im wunderschönen Tessin zum Bouldern. Wir flohen vor dem schlechteren Wetter in Deutschland und genossen die tollen Granitblöcke von Cresciano bei sonnigem Wetter. Verglichen mit unseren -10 Grad in Fontainebleau hatten wir milde 10 Grad in Cresciano. Diesmal war also wirklich mehr Erholung geplant – geplant! So wirklich erholsam sollte sich unser Trip dann aber doch nicht gestalten.
Dienstag: Tag 1
Dienstag Mittag fuhren wir völlig stressfrei über leere Autobahnen und durch einen schon fast unkenntlich leeren Gotthardt-Tunnel. Kurz nach dem Gotthardt präsentierte sich uns das Tessin ordentlich verschneit – an Bouldern war eigentlich nicht zu denken. Ursprünglich hatten wir geplant die ersten Tage in Chironico zu verbringen, aber angesichts der Schneemassen fuhren wir direkt weiter nach Cresciano – verbunden mit der Hoffnung, daß aufgrund der etwas niedrigeren Lage weniger Schnee auf den Blöcken wäre. Überraschenderweise war bereits nach etwa 10 Kilometern kaum noch Schnee zu sehen, die umliegenden Waldhänge waren völlig frei und trocken – keine Spur von Eisvorhängen wie bei der Ausfahrt ‘Faido‘.
In Cresciano konnten wir uns nicht zurückhalten und zogen bei völliger Dunkelheit noch mit Stirnlampen in das Blockfeld von Sektor 3 – ‘Filo a sbalzo‘ einfach nur um den Fels anzugrabschen. Super! Total trocken – anscheinend haben sich die für Dienstag noch angekündigten Niederschläge woanders ihren Weg gesucht!
Mittwoch: Tag 2
Der erste Morgen war gekrönt von bestem Sonnenschein und so hielt es uns nicht lange in den Schlafsäcken. Mit den Stirnlampen hatten wir in der vergangenen Nacht bereits ein paar Boulder ausgeguckt, besonders ein Dach hatte es uns angetan, laut Führer sollte es nur fb6b sein – super zum Aufwärmen! So richtig leicht kam mir das allerdings nicht vor und so ratschte ich zigmal vom grässlichen Sloper, bis ich irgendwie etwas fassungslos aufgab. Im Sektor ‘Filo a sbalzo‘ zog es uns dann an den ‘Masso 23a‘ der sich mir in Kürze ergab. Komisch – irgendwie ist die ‘SS20‘-fb7a viel leichter als die harte fb6b! Mia leistet sich einen erbitterten Kampf mit einer fb6b+, bis wir weiter in den vorderen Teil ziehen. Bereits auf den Bildern im Topo war ich scharf auf ‘La Pioche‘-fb7b+ an einem toll gebänderten Block. Zuerst wollten allerdings bereits die Startzüge nicht klappen, abgefahrene Toehooks, ein weiter Zug auf eine Kelle und von dort weit auf eine Leiste, dann über Sloper aussteigen-geil, lediglich das Absprunggelände ist recht fies. Gut, daß wir zwei Mondos und ein Startpad dabei haben. Nach etwa 20 Minuten halte ich die Ausstiegsgriffe und freue mich auf ein verdientes Abendmahl
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Donnerstag: Tag 3
Wir beschließen die etwas weiter hinten gelegenen Sektoren ‘Letamaio‘ und ‘Danilo‘ zu erkunden und bereits beim Hinlaufen fällt uns ein wunderschöner Block auf ‘Masso23‘, liegt auch schön in der Morgensonne, perfekt zum Aufwärmen. Wir bouldern den Klassiker ‘Un Uomo un perche‘-fb6a und ziehen dann weiter an ‘Masso 17‘. Relativ schnell gelingt mir ‘Effetti speciali‘-fb7b+, aber an ‘Sei Bleau‘-fb6b schürbel ich mir ordentlich die Schuhe ab, bis ich endlich oben bin. Dann geht es an ‘Masso 21a‘ wo ich mich an ‘Strusciamento lento‘-fb7a versuche. Richtig anstrengend! Die Griffe sind zwar ok, aber weite Züge und keine Tritte machen den Boulder sehr athletisch.
In der Abendsonne zieht es uns dann an den Klassiker ‘Slopy Traverse‘-fb7b, einer tollen Sloperlinie. An guten Griffen startend, werden diese immer schlechter, bis zum teuflischen Ausstieg, der wenig graziles, dafür mehr von einem gestrandeten Wal hat – genau hier ist dann auch die Crux! Zigmal schrabble ich mit meinem Schienenbein über den bösen Granit bis ich endlich den rettenden Griff erreiche.
Freitag: Tag 4
‘Bleeding on the inside, but at least they look good on the outside!‘ – die Finger tun inzwischen sehr weh! Ich will eigentlich gar nichts mehr anfassen und könnte vor Schmerzen schreien. Jetzt rächt es sich, daß ich mir die Finger im Odenwald derartig zerschossen habe! Zum Starten geht es an den Megaklassiker ‘Vol au vent’-fb7a, der mich morphologisch böse bremst! Zigmal strecke ich mich nach dem weit entfernten Kratzerchen bis ich diesen endlich erreiche und aufstellen kann. Durchreissen und an die Kante springen – sehr geil!
Dann ziehen wir weiter in den Sektor 5 ‘Letamaio’ und geniessen die schönen Boulder am ‘Masso 5a’ in der Sonne, bis wir uns dann die Finger an ‘Bye Bye Baby-SD’ vernichten! Schreiend reisse ich aus den bohrenden Griffen – das wars, ich habe fertig!
Mia ist einfach zu hart: Nachdem ich mich unter wimmernden Lauten ans einpacken mache, packt sie direkt das nächste Projekt aus: Eine tolle Platte verlangt Mia nochmals alles ab. Am Ende des Projekts sehen dann die Finger, mit Tape mumifiziert, entsprechend lädiert aus, aber egal: Gemacht ist gemacht!
Samstag: Tag 5
Wochenende, Cresciano wird voll – Zeit für uns zu fliehen. Vielleicht hat die Sonne der letzten Tage ja inzwischen einen Teil des Schnees in Chironico abgeschmolzen und getrocknet? Flugs zusammengepackt und dann nach Chironico gefahren. Pech gehabt, kaum etwas ist abgetaut und so fahren wir wieder aus Chironico raus um die Heimfahrt anzutreten- doch was ist das? Da liegt doch noch ein Block am Wegesrand, der etwas freigeschmolzen ist? Nach eingehender Studie des Boulderführers finden wir dann auch heraus um welchen Block es sich handelt.
Ein paar Boulder später machen wir uns dann endgültig auf die Heimfahrt. Das Tessin ist so wunderschön, daß wir es aber nicht so weit schaffen. Kurz vor dem Gotthardt biegen wir nochmals von der Autobahn und fahren über eine kleine Strasse hoch in eine Militärstation oberhalb von Airolo und wandern noch etwas durch die dicken Schneemassen in der Sonne…
Schön wars im Ticino – viel Zeit darf nicht vergehen, bis wir wieder dort sind – wird auch nicht!
Ach so, da war doch was – warum war eigentlich der allererste Aufwärmboulder so verdammt schwer für fb6b? War halt keine fb6b, sondern ‘Il doppione‘-fb7b+. Hab ich ja wieder mal toll hinbekommen!
Immerhin weiß ich genau, weshalb ich wieder nach Cresciano will- ein sehr geiler Boulder!!!
Links:
- Boulderführer von Cresciano, Chironico und Gottardo bestellen
- Webcam des Tessin
- Webcam des Tessin
- Schlafen/Übernachten in Chironico
- Il doppione,fb7b+,videoclip
- La Pioche, fb7b+,videoclip












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Hallo Marc,
der Tessin-Bericht macht richtig Lust sofort wieder hin zu fahren!
Scheint ja ein Lieblingsgebiet von Dir zu sein. Das geht mir -allerdings aus der Wandererperspektive- seit Jahren genauso. Schau doch mal auf Magic Mountainzones vorbei: http://www.mountainzones.com
Da gibts so einiges aus dieser Traumgegend wo das Wetter besser und die Landschaft schöner ist.
Beste Grüße
Michael
Hi Michael,
das Tessin ist wirklich eines meiner Lieblingsgebiete. Sobald meine Finger keine Griffe mehr festhalten können, werde ich wohl auch in deine Fußstapfen treten und das Tessin erwandern…
Du siehst ja anhand meiner Fotos an welchen Blöcken es sich besonders gut bouldern lässt, wenn du auf deinen Wanderungen mal an dem einen oder anderen lohnenden Blockfeld vorbeikommst, wäre es klasse, mal ein paar Fotos zu machen und mir Bescheid zu geben. Würde mich echt total freuen!
Deine Blog ist richtig gut – auch schöne Bilder, besonders so stilistische Detailaufnahmen mag ist richtig gerne – toll!
Viele Grüße,
Marc
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