Interview mit dem Bürgermeister von Kletterdorf.de

07. Juli 2008 in News, RokBlog  |  9 Kommentare  |  14142 Leser
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Kletterdorf.de - Das Kletterportal im deutschsprachigen RaumDas Kletterdorf, die zweitgrösste Online-Community für Kletterer aus dem deutschsprachigen Raum ist inzwischen DIE Platform für die Suche nach Kletterpartnern und den freundlichen Austausch über den Klettersport. Der grosse Ansturm auf die Community Kletterdorf.de machte mich neugierig, einen Blick hinter die Kulissen auf Stefan Hofmann, den ‘Bürgermeister’ des Dorfs zu werfen…

Stefan Hofmann, der Bürgermeister von Kletterdorf.deRokBlog.de: Was ist das Kletterdorf?
Stefan Hofman: “Das Kletterdorf ist eine Internet-Community rund um den Klettersport und all seinen Spielarten. Die Platform bietet seinen Mitgliedern vielfältige Funktionen wie das Gestalten eines persönlichen Profils, eine Kletterpartnersuchmaschine mit der es möglich ist nach verschiedenen Kriterien wie z.B. ‘Hausfels,-halle’, ‘Wohnort’, ‘Kletterschwerpunkt’ etc. zu suchen, eine interaktive Karte, die andere Kletterer in der näheren Umgebung darstellt, wenn diese dies wollen, und vieles mehr.”

RokBlog.de: Wie bist du auf die Idee gekommen das Kletterdorf zu gründen?
Stefan Hofman: “Das ist eine längere Geschichte: 2003 zog ich nach Rüdesheim am Rhein, um dort ein Weinbaustudium zu beginnen. Im selben Jahr hatte ich an einem Anfängerkurs ‘Klettern’ mit meinem Kumpel Matthias in Ludwigshafen teilgenommen. Meinen Kumpel packte es nach dem Kurs sofort, während ich mich zunächst nicht so recht begeistern konnte. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres überredete mich Matthias zu einem Klettertrip nach ‘El Chorro’ in Spanien. Das Klettern an echtem Fels infizierte mich dann endlich mit dem Klettervirus und so ist es bis heute geblieben. Nun gab es aber ein Problem: Wegen des Umzugs ins Rhein-Main-Gebiet fehlten mir die Kletterpartner und auch im Umfeld der FH wollte sich damals niemand finden lassen.  Mehr oder weniger verzweifelt stieß ich im Internet auf das Suchinserat eines Mädels mit dem gleichen Problem. Wir haben uns dann bei einer Art ‘Blinddate’ kennen gelernt und sie hatte noch zwei Klettersüchtige im Schlepptau, die auch auf das Inserat geantwortet hatten. Der erste ‘Stuhlkreis Klettern’ in der neuen Umgebung war geboren! Obwohl sich dadurch eine schöne Freundschaft entwickelt hat, die bis heute anhält, fand ich das Procedere doch alles andere als einfach. In meinem zweiten Semester an der FH absolvierte ich schließlich einen EDV-Kurs; zwar konnte ich mit dem Computer einigermaßen umgehen – von Internetgestaltung jeglicher Art hatte ich jedoch keinen blassen Schimmer. Im Zuge dieses Kurses mussten wir auch eine kleine Homepage erstellen;  mein kümmerliches Erstwerk bestand nur aus ein bisschen Text und einen Namen dafür hatte ich auch noch nicht. Eine gehörige Portion Naivität á la ‘das kann doch nicht so schwer sein’ und eine Menge Enthusiasmus führten dann dazu, dass das Kletterdorf allmählich laufen lernte.”

RokBlog.de: Wann wurde das Kletterdorf gegründet?
Stefan Hofman: “Das ist eine gute Frage und ich befürchte, ich kann sie nicht beantworten. Seit der Entstehung des Kletterdorfes gab es schon einige Providerwechsel und das Gesicht der Seite hat sich komplett verändert. Dokumente jeglicher Art aus der Anfangszeit existieren nicht mehr. Ich glaube, das Kletterdorf 1.0 ging irgendwann zwischen Mai und Juni 2005 online.”

RokBlog.de: Wieviele Einwohner gibt es inzwischen im Kletterdorf?
Stefan Hofman: “Zum Zeitpunkt da ich diese Frage beantworte zählt das Kletterdorf 1786 Einwohner. Der neueste Nutzer ist Isadora. Herzlich Willkommen, Isadora!”

RokBlog.de: Hat das Kletterdorf auch Einwohner aus dem Ausland?
Stefan Hofman: “Ja und das freut mich wirklich sehr! Als das Kletterdorf gerade einmal wenige Monate alt war, bestand es aus nicht vielmehr als aus einer Begrüßungsseite und einem Forum. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe als wir 30 registrierte Benutzer hatten. Damals dachte ich: Mann, wenn das irgendwann einmal hundert werden sollten…
Zu diesem Zeitpunkt gab es auf einmal eine Registrierung aus der Schweiz, was umso ungewöhnlicher war als dass das Kletterdorf ganz offensichtlich nur eine Region ansprach (auch wenn das Forum für ganz Deutschland ausgelegt war, gab es damals nur eine Region, die aktiv war: Das Rhein-Main-Gebiet). Das Kletterdorf wuchs langsam, aber stetig und interessanterweise gab es immer mal wieder Registrierungen aus dem deutschsprachigen Ausland wie der Schweiz oder auch Österreich. Das veranlasste mich schließlich dazu, unsere Nachbarn auch offiziell nicht mehr ausschließen zu wollen und so habe ich kurzerhand (und auch etwas vermessen) das Kletterdorf zum grenzüberschreitenden Forum erklärt. Mittlerweile gibt es auch einige österreichische und Schweizer Nutzer mehr, wenn auch die meisten Registrierungen aus Deutschland kommen.”

RokBlog.de: Warum ist das Kletterdorf so erfolgreich?
Stefan Hofman: “Ich denke, der beste Indikator für den Erfolg einer Community sind die Mitglieder: Unsere Nutzer pflegen einen netten, respektvollen Umgang und das gemeinsame Miteinander steht schon deshalb im Vordergrund, weil viele Kletterer ihre Klettertreffen auf unserer Plattform kommunizieren. Gerade auch Anfänger sind herzlich willkommen, welcher Schwierigkeitsgrad geklettert wird, spielt dabei keine Rolle. Es ist gerade diese soziale Komponente, dass sich viele Mitglieder eben auch im ‘richtigen’ Leben treffen und gemeinsam Zeit verbringen, die das Kletterdorf in meinen Augen so besonders macht.
Das Kletterdorf hat sich seit seinem Bestehen stetig gewandelt und ich denke, es ist dabei den Nutzern immer näher gekommen. So hatte ich zwar anfangs schon lokale Foren installiert. Zwischenzeitlich bin ich aber wieder davon abgekommen. Die aktuelle Aufteilung geht auf die Idee von Stefan Engelhardt, eines unserer Moderatoren zurück. Ein weiteres, sehr gelungenes Beispiel dafür, dass sich unsere Nutzer gerne mit dem Dorf identifizieren und wie sehr einbringen, ist das aktuelle Layout – die Vorlage dazu hat nämlich Nadine Collmann, eine unserer aktivsten Nutzerinnen, entworfen. Ohne die Mitarbeit und Ideen seiner Mitglieder hätte das Kletterdorf niemals diese Entwicklung nehmen können. Darauf bin ich sehr stolz.

RokBlog.de: Betreust du das Kletterdorf alleine, oder hast du ein Team?
Stefan Hofman: “Die Zeiten, in denen ich das Dorf allein betreuen musste sind zum Glück vorbei. Seit Anfang dieses Jahres ist Gereon Steffens an meiner Seite und durch seine großartige Arbeit hat sich das Kletterdorf aus technischer Sicht enorm weiterentwickelt. Dazu kommt ein tolles Moderatoren-Team, das gut miteinander auskommt. Wir alle machen die Arbeit freiwillig und natürlich unentgeltlich und ich denke, dass zeigt, dass wir mit einer Menge Spaß dabei sind.”

RokBlog.de: Wie unterscheidet sich das Kletterdorf von anderen deutschsprachigen Kletterportalen?
Stefan Hofmann: “Einen Unterschied habe ich ja bereits genannt: Das Leben im Dorf spielt sich nicht nur virtuell ab. Die lokalen Gruppen treffen sich regelmäßig zum klettern und kommunizieren diese Treffen im Dorf. Ein Teil der Kletterszene wird so vernetzt und das funktioniert in unseren aktiven Lokal- bzw. Gruppenforen auch sehr gut. Jeder Nutzer gestaltet sein eigenes Profil mit vielen kletterspezifischen Informationen, einem eigenen Gästebuch, Galerie und weiteren Funktionen. Wir haben ein großes Moderatoren-Team, das bei Fragen gerne weiter hilft und das auch darauf achtet, dass ein respektvolles Miteinander bewahrt bleibt.”

RokBlog.de: Das Forum ist aufgeteilt in Regionen, welche ist am aktivsten in Deutschland?
Stefan Hofmann: “Das Rhein-Main-Forum und das Ruhrgebiets-Forum liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mittlerweile dürfte das Ruhrgebiets-Forum aber die Nase vorn haben, was u.a. damit zusammenhängt, dass wir dort sehr engagierte Moderatoren haben, die sich aktiv um neue Mitglieder kümmern.”

RokBlog.de: Wieviel Zeit investierst du pro Woche in das Kletterdorf?
Stefan Hofmann: “Das ist sehr unterschiedlich. Durch die Arbeit von Gereon hat sich der Aufwand aber drastisch reduziert. Der Hauptanteil meiner Arbeit ist mittlerweile der Support und da ist es sehr schwierig den Arbeitsaufwand zu beziffern. Er übersteigt aber selten 2 – 3 Stunden in der Woche. Als ich das Kletterdorf noch alleine betreute, war das etwas anders.”

RokBlog.de: Was machst du ausserhalb vom Kletterdorf beruflich?
Stefan Hofmann: “Nach einem abgebrochenen Studium in Weinbau studiere ich nun an der Universität in Mainz Spanisch und Latein. Das nötige Kleingeld verdiene ich mir als Kursbetreuer in einer lokalen Kletterhalle. Außerdem leite ich mit einem Freund eine Kletter-AG für Kinder der 5. und 6. Klasse an einer Gesamtschule und seit kurzem ergänze ich das Kletterteam einer bekannten Outdoorkletterwand in unserer Region.”

RokBlog.de: Wer ist überhaupt Stefan Hofmann?
Stefan Hofmann: “Stefan Hofmann ist nicht viel anders als die vielen Menschen, die im Klettern nicht nur den reinen Sport sehen, sondern damit auch eine gewisse Lebenseinstellung verbinden. Ich denke, ich bin aufgeschlossen, gern unter Menschen und gehe gerne klettern. Das ist alles.”

RokBlog.de: Bouldern, Klettern, Alpin, Fels, Plastik – wo fühlst du dich am wohlsten?
Stefan Hofmann: “Mein Schwerpunkt liegt definitiv beim Sportklettern, auch wenn mir das Bouldern sehr viel Spaß bereitet. Im alpinen Bereich habe ich bisher keine Erfahrungen sammeln können. Plastik ist OK, aber Fels doch viel besser. Ein besonders schöner Aspekt des Kletterns ist für mich der Bezug zur Natur, ein anderer der der Ästhetik. Ich finde es sehr befriedigend, wenn es gelingt, eine Tour in schönen Zügen klettern zu können.”

RokBlog.de: In welchem Schwierigkeitsgrad bist du selbst unterwegs?
Stefan Hofmann: “Meine schwerste Route war bislang der ‘Plattmacher‘ VIII in Hainstadt/Odenwald. Hauptsächlich bin ich in der Pfalz oder im Odenwald unterwegs und dort gelang mir mit ‘Goliath‘ VII+ auch mein bisher schönster Flash. Da ich im Sandstein die meisten Klettermeter zurückgelegt habe, liegt mir dieses Gestein auch am meisten.”

RokBlog.de: Welche Zukunftspläne hast du mit dem Dorf?
Stefan Hofmann: “Natürlich soll das Dorf weiter wachsen. Ein großer Wunsch ist es, mit dem Kletterdorf den Traum einer grenzüberschreitenden Plattform für deutschsprachige Kletterer zu verwirklichen, auf der sich deutsche, österreichische und Schweizer Kletterer gemeinsam austauschen und vielleicht auch mal gemeinsam klettern gehen. Zugegeben, etwas romantisch. Aber – wozu sind Träume denn da?”

RokBlog.de: Vielen Dank für das Interview!

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9 Antworten zu “Interview mit dem Bürgermeister von Kletterdorf.de”

  1. Tine sagt:

    Danke für diesen schönen Beitrag. Interessant mal etwas über die Ursprünge des Kletterdorfes zu lesen! LG, Tine

  2. nane sagt:

    Super Interview!
    Und Daumen Hoch für’s Kletterdorf!
    nane

  3. odi sagt:

    Schön zu lesen… mach einfach weiter so….
    odi

  4. Jacky Loch sagt:

    Hallo Marc,

    habe noch einen kleinen Fehler gefunden: Unter Frage 6 heißt es: “Ohne die Mitarbeit und Ideen seiner Mitarbeit…” – sollte eigentlich “Ohne die Mitarbeit und Ideen seiner Mitglieder” heißen. Danke und mach weiter so! Der Rokblog rockt!

  5. windbreaksurfer slk sagt:

    Klasse Interview Marc
    Salut el intendente , im Kletterdorf wird Deutschland , Schweiz und Österreich zu einen kleinen Dorf .
    Besten Dank an allen Aktiven Bewohnern

  6. Amazona sagt:

    Danke für das tolle Interview und besonders an Stefan, der
    uns eine virtuelle Heimat gegeben hat.

  7. [...] Artikel Bouldern im Felsenmeer Wartenberg: In da Fingers and da Feet – (fb7b) Interview mit dem Bürgermeister von kletterdorf.de Über Marc & Impressum Soziale Bookmarks: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei [...]

  8. Daniel sagt:

    hallo.
    muss im sommer 2 monate arbeitn praktikum von der schule aus.
    in Stromberg in der Stromburg.
    bin aus innsbruck, österreich, und wollte mich hier erkundigen ob ich in der region zum klettern
    oder bouldern komme weil 2 monate sind lang und ich will muss klettern.=)
    vielleicht kann mir wer ein paar infos gebn wea supa.
    Danke lg dani

  9. marc sagt:

    Hallo Daniel,

    schön, daß du hergefunden hast!

    Besonders nahe Ziele von der Stromburg aus wären für dich zB.:

    Morgenbachtal
    Nahetal-Bouldern – vorsicht ist seeeeeehr geheim! ;) RokBlog-Suche!

    Und wenn du gerne drinnen boulderst:

    Blockwerk
    Kletterhalle Nieder-Olm

    Im Kletterdorf wirst du bestimmt fündig, solltest du Kletterpartner suchen.

    Wenn du Lust hast komm einfach mal Dienstags, oder Donnerstags (abends) ins Blockwerk, da sind wir meistens anzutreffen.
    Könnten ja auch mal in die Pfalz bouldern fahren und danach “gediegen” in der Stromburg speisen – ich hätte da nichts gegen einzuwenden! ;)

    Viele Grüße, Marc

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