Magic Wood am Tag der Arbeit
13. Mai 2008 in Fotos, RokBlog | 3 Kommentare | 11991 Leser
Aufbruchsstimmung am Tag der Arbeit: Relativ spontan haben Jan, Nicolas und ich beschlossen trotz der etwas undurchsichtigen Wetterprognose in Richtung Magic Wood im schönen Averstal der Schweiz aufzubrechen. 1.Mai, High Noon, Abfahrt am Parkplatz vom BW, Feiertag, keine LKW, wir kommen gut durch und sind so gegen 16:30 Uhr am Campingplatz. Schnell die Zelte aufgeschlagen, die Bouldermatten geschnappt und ab in den Wood an den Blöcken randalieren.
Tag 1:
Auf dem Weg zur oberen Brücke erfahren wir, dass es noch am Morgen 20 cm Neuschnee hatte, die Strassen sind aber gut trocken und der Wald sieht völlig schneefrei aus. Nach der Brücke beginnt jedoch der Schlamm: Die Wege sind noch nass, es liegt zwar nur noch recht wenig Schnee und viele Blöcke sind schon gut getrocknet, aber wie sooft sind leider die entscheidenden Griffe noch recht feucht und wir wollen uns ja nicht direkt in den ersten paar Stunden direkt die ganze Haut abschälen. Meine Finger die noch sehr dünn vom letzten Pfalztrip sind können sowieso noch gut nen Ruhetag gebrauchen, also machen wir uns ganz leicht an ein paar Blöcken warm und erkunden eher die möglichen Projekte für die kommenden Tage. Jan, der grob geschätzte 837 Jahre im Magic Wood verbrachte erweist sich als DER Guide. Nicht nur die geilsten Blöcke, sondern auch die oftmals labyrinthartigen Wege navigiert er uns treffsicher vor. Ein Riesenunterschied im Vergleich zu Nicolas’ und meinem letzten, ersten und chaotischen Trip ins Wood. Die Projekte stehen fest!
Tag 2:
8:00 Uhr, die Nacht war kalt, der erste Praxistest für mein neues Zelt von The North Face – Rock 22. Das Kondenswasser auf der Innenseite der Aussenwand ist gefroren, aber mir war schön warm. Als bekennende Frostbeule konnte ich nachts sogar auf meine Mütze verzichten. Die Sonne scheint noch nicht ins Tal, da rüttelt der Morning-Grinch Nicolas bereits wie ein wilder am Zelt und weckt mich. Seit 5:00 Uhr liege er wach und jetzt muss es losgehen! Kaffekochen, Porridge und umpacken, auf gehts…
Noch etwas zerstört von der für mich sehr unergiebigen Nacht stolpern wir uns hoch zu ‘Schrotti-SS’ fb7a. Kurz am Nachbarblock warmgehangelt gelingt mir der Boulder auch auf anhieb. Jan, gefolgt von Nicolas punkten direkt danach. Der Liegestart ‘Schrotti’ fb7b klappt dann auch noch recht fix, allerdings schnalze ich direkt mit der linken Hand vom Griff und schäle mir erstmal den Mittelfingerknochen frei. Dennoch ein guter Start. Jan lotst uns weiter zu ‘Heb dei Arsch’ fb7a den ich auch direkt flashe. Nicolas zieht nach kurzer Zeit nach. Jan hatte den Boulder schon im letzten Urlaub abgehakt. Weiter gehts zu ‘Piranja’ fb7c, der Anfang klappt super, allerdings kann ich wegen des verletzten linken Ringbandes den entscheidenden Seitgriff nicht genug zuknallen, als das ich irgendwie eine Chance hätte, also Abbruch. Schade, ‘Piranja’ ist eine echter Traumboulder in einer super schönen Wand. Gemeinsam projektieren wir dann -zurückblickend dummerweise- den ‘Stressmacher’ fb7a der uns eigentlich nur grauenhaft viel Haut kostet und dann doch nicht gelingen will. Nach knapp 3o Versuchen gebe dann schliesslich auch ich auf um einen kümmerlichen Rest Haut aufzuheben. Wir ziehen weiter zum nächsten Boulder. Nach kurzem Ausbouldern und dank der inzwischen wieder etwas gesunkenen Temperatur kann ich ‘Blindfisch-LS’ fb7c souverän punkten. Schöner Bug-Boulder, allerdings erfordert der Boulder, dass man sich als Absprungzone sozusagen ein Plateau aus Baumstämmen bastelt, damit man nicht in den Untiefen der Blöcke verschwindet. Geiler erster Tag, nur die Aktion mit dem ‘Stressmacher’ hätten wir uns irgendwie sparen können. Abends gehen wir dann noch im ‘Edelweiss’ was Essen und ein Bierchen trinken.
Photoserie Marc im “Blindfisch” :
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Tag 3:
Der ‘Stressmacher’ rächt sich am nächsten Morgen, die Haut tut echt weh! Bei jedem Aufwachen in der Nacht habe ich versucht die Haut mit Calendumed zu regenerieren, aber leider nicht soo erfolgreich wie ich mir das wünschte. Naja, so isses halt. Nach einer wieder viel zu kurzen Nacht – Nicolas kämpfte diesmal um kurz vor 8:00 mit meinem Zelt – und espressoreichem Frühstück wandern wir wieder in den Wood. Wir machen einen Highballriss zum Aufwärmen, dann gehts weiter zum ‘Blindfisch’. Nicolas und Jan wollen sich den Fisch auch noch einverleiben, allerdings lassen das die Bedingungen nicht wirklich zu. Weiter gehts zur ‘Marihuanacorner-SD’ fb7a+. Der schwierige Start klappt auf Anhieb, allerdings versaue ichs dann doch direkt danach an der Kelle. Der Start will dann auch kein zweites Mal gelingen, daher bouldere ich mal den Ausstieg aus. Rausgerampfe mit nicht ganz ungefährlichem Block im Rücken – gut dass ichs mir nochmal angeschaut und von den unzähligen Nadeln der Bäume befreit habe. Irgendwann klappt dann auch der Start wieder und wir ziehen weiter. Jan geht in sein Alptraumprojekt ‘Enterprice’ fb7a, einer Hangel- und Hooktraverse, in der er sich beim letzten Trip bösartig die Sehne gezerrt hat. Leider sieht es diesmal auch nicht so gut aus, der Kopf ist noch nicht frei genug und die Züge wollen nicht so recht klappen. Schade, da Jan den Boulder eigentlich souverän klettern könnte. Während Nicolas sich mit dem ‘Kuchenmonster’ fb7a+ duelliert, hole ich mir ‘Slopie Joe-SD’ fb7a ab. Nach Ausbruch einer Schuppe ist der Boulder etwas verändert, aber vielleicht nur etwas schwerer geworden. Jetzt vielleicht fb7a+.
Bereits beim letzten Trip standen Nicolas und ich vor ‘Blown away’ fb7b einer Traverse mit grausamen Ausstieg. Zigmal bin ich jetzt schon vorbei gezogen, habe aber irgendwie nie so richtig den Mut gehabt mich da hoch zu hampeln. Dieses Mal wollte ich’s wenigstens versuchen. Die erste Passage klappt auch wirklich gut, der Ausstieg ist aber fürchterlich. Noch leicht feucht, schmierig muss man sich in ca. 5 Meter Höhe in eine Platte schieben um dann auf Reibung nach rechts rauszuqueren. Zigmal springe ich am oberen Henkel ab, weil einfach die Griffe schlonzen bzw. sich mir nicht zeigen wollen. Irgendwann fasse ich dann mal Mut und mantle oben raus, ich stehe auf der Rampe und habe nur glitschige Müllgriffe in der Hand. Nasse Moosballen grabschend spreize ich nach rechts auf ein kleines Bäumchen, dessen nasses Wurzelwerk bedrohlich schlackert. Dem Schlackern schliesse ich mich an und quere in 7 Meter Höhe fernab der Crashpads in Richtung Sicherheit. Wenn das nasse Bäumchen nicht gehalten hätte wärs wohl vorbei gewesen. Das hat dann auch gesessen, den Einstieg wollte ich -zumindest bei diesen Bedingungen- nicht mehr dranhängen! Gepeiningt ziehen wir von dannen, weiter zu ‘Man of the Cow’ fb7c. Eine überhängende ‘Kante’ führt leicht rechtshaltend in die vermeintliche Crux: Ein böser Schulterzug mit hohem Aufhocken. Eigentlich genau mein Ding und der Zug klappt auch so halbwegs. Dann allerdings wieder die fiese Ernüchterung: Der Ausstieg, schleimig präsentiert sich ein Seitgriff, von dem man nach rechts oben auf einen Sloper springen muss. Trifft man diesen nicht, gehts helikopterartig rücklings in die Bäume. Aus guter Höhe! Ein paarmal Schnappe ich weit davon entfernt den Sloper auch nur ansatzweise zu erreichen, dann habe ich genug. Wir ziehen wieder runter an den ‘Blindfisch’ wo sich Jan und Nicolas aufarbeiten. Die Bedingungen sind zwar schon echt besser als am Morgen, aber der Durchstieg bleibt dennoch verwehrt. Dann gehts wieder zurück zum Campingplatz und von da zum Essen in den Gasthof ‘Roflaschlucht’. Super leckere Rösti mit Pizzabelag sind genau das Richtige! Wirklich sehr gut!!!
Tag 4:
Abreisetag. Noch offene Projekte. Do or die! Make it or bake it! Go big, or go home! Ich flashe ‘Traumfänger’ fb6c+, dann punktet direkt Jan und Nicolas folgt kurz danach. Weiter gehts in ‘Supercrack’ fb6c, dann gehts wieder in die Hölle: ‘Man of the Cow’ wieder der Ausstieg, wieder feucht, wieder schrecklich! Ich schaffe jetzt zwar die Crux, aber der Sloper ist immer noch unerreichbar weit und es geht immer wieder runter. Inzwischen nicht nur innerlich fluchend bin ich fast dabei zu resignieren. Wasn da los?!? Dann kommen die Schweizer. Bewaffnet mit Mondos wird die Landebahn bereitet. Auch noch Erfolgsdruck, da die objektive Gefahr wirklich inzwischen relativ gering ist. Ich fühle mich schon richtig aufgearbeitet und beschliesse erstmal zu pausieren. Unzählige Versuche haben inzwischen in meiner lädierten, rechten Schulter ihre Spuren hinterlassen und der Schmerz streckt wieder sein hässliches Gesicht hoch. Ich will mich ja nicht Lumpen lassen und gebe nochmal alles: Reisse an der Crux, die endlich mal wieder klappt -danke Niki- und hänge im grässlichen Seitgriff, diesmal bewaffnet mit Chalkbag um zumindest etwas vom Schleim zu kompensieren, setze die Füsse und feuere alles was ich noch habe nach rechts hoch: Bam! Getroffen – der Sloper hält und ich bin echt überrascht – was nu?!? Fuss hoch und irgendwie rausgerüttelt – geschafft! Geil!
Eins steht jetzt definitiv fest: Wir brauchen Black Diamond Mondos!!!
Dann ziehen wir noch runter an den ‘Blindfisch’, Nicolas’ Schmerzen an den Bizepsansätzen sind inzwischen wieder voll da. Da geht nix mehr zu arg ist der Schmerz. Bei Jan klappen inzwischen die Züge schon ganz gut, aber der Durchstieg ist leider noch nicht in Sicht. Immerhin, der Teamerfolg ist gesichert! Nach gut einer Stunde ist klar: Das wird nichts mehr. Der ‘Blindfisch’ erfordert mehr Haut, mehr Kraft und weniger Schmerz, bliebt also ein sehr knappes Projekt für den nächsten Trip in den Wood…
Ich warte im Moment noch auf Bilder die Tom vom Kletterportal.ch von mir im “Man of the Cow” aufgenommen hat, wollte diesen Bericht aber dennoch schonmal vorher veröffentlichen. Die Bilder werden nachgereicht. Versprochen!
UPDATE:
Tom Katz vom Kletterportal.ch hat mir jetzt die Photos aus Man of the Cow zugeschickt, so dass ich eine kleine Photoserie ‘Marc in Man of the Cow’ zusammenstellen konnte.
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[...] Tag der Arbeit war ich bereits im Averstal, Magic Wood. Nach einem kurzen Intermezzo in der Pfalz am Wartenberg [...]
huhu
)))))))))))))
schöne geschichte!!!!!!!!! ich will nächstes mal mit kommen
gruß tanja
Servus Tanja,
kannst gerne das nächste Mal mitkommen. Die Saison im Avers hat ja auch eigentlich erst angefangen. Aktuell ist bei mir nichts geplant und wg. Geldmangel geht auch nicht sooo viel. Aber nächsten Monat ist bestimmt mal wieder was drin!
Wir sehen uns!
Ciao und viele Grüsse,
Marc