Bouldertrip ins Fichtelgebirge

16. April 2007 in Fotos, RokBlog  |  3 Kommentare  |  14863 Leser
Tags: , , , , , , , , , , ,

Bouldern im Fichtelgebirge
Fichtelgebirge BlöckeVergangenes Wochenende statteten wir dem Fichtelgebirge einen Kurzbesuch ab. Von Nieder-Olm aus bis ins Bouldergebiet sind es exakt 400 Km – leider etwas weiter als wir zunächst erwarteten. Am Samstag um 13:00 Uhr gings los und wir kamen absolut staufrei gegen. 17:00 Uhr im Bouldergebiet an. Perfekt: Die Sonne hatte sich bereits etwas geneigt und die Temperaturen waren bereits am Sinken. Alle Boulder befinden sich inmitten von dichtem Fichtenwald, der Boden ist ein schön weiches Bett aus alten Nadeln und Zapfen. “Verwunschener Märchenwald” beschreibt wohl am besten die Eindrücke.
Das Bouldergebiet selbst teilt sich in 3 Sektoren mit je um die 80 Blöcke plus ein paar Blöcke abseits der Sektoren. Blocklandschaft im Hauptsektor im FichtelVerschachtelte, meistens runde Eier bieten etwa 800 Boulder in allen Graden. Definitionen sind ein Fremdwort, meistens bestehen die Boulder aus Kanten, Platten oder geneigten Überhängen und sind zwischen 2 und 6 Metern hoch. BaumNahezu alle Boulder haben Top-Outs und lassen bleauesque Mantle Gefühle aufkommen. Bereits der allererste Aufwärmboulder liess keine Fragen mehr offen: Ein falscher Griff und das Fleisch hängt in Fetzen herunter. Der Granit im Fichtelgebirge hat etwa soviel mit dem Granit in Cresciano zu tun wie bester Arco-Speck mit Bouldern in Font. Die gesamte Oberfläche ist derartig frei erodiert, dass alle gemein scharf hervorstehenden Messerkiesel einen etwa 2-3 Milimeter dicken Messerteppich über dem Block bilden. Wer hier nicht ultra präzise greift ohne Nachzuschlingern hat spätestens nach einer halben Stunde die ersten richtigen Verletzungen. Nicolas warnte uns zwar alle vor, aber im Auto klang das noch unglaubwürdig. Wir wurden eines besseren belehrt…

Session 1, Samstag 17:00 – 20:30
AufwärmboulderNachdem wir uns an einigen leichten Problemen warmgebouldert und Lehrgeld in Form erster Verletzungen davon getragen hatten und langsam ein Gefühl für den Fels entwickelten, versuchten wir uns gemeinsam an einem Fb7a+ Problem. Sloper 7bNach wenigen Versuchen konnte ich erfolgreich aussteigen und den Teamerfolg sichern. Die anschliessende Fb7b Sloper-Kante war dann für uns alle zu hart und fingermordend, so dass wir nach ein paar Versuchen aufgaben und uns mit bestimmt 25 Problemen im Bereich Fb6a – Fb6c die Zeit vertrieben. Viele der “leichten” Boulder waren fast unknackbare Probleme, so trickreich und interessant ist die Kletterei. Zusätzlich zu den diffizilen Bewegungen wird jeder Fehler nicht nur mit einem Sturz, sondern zusätzlich noch mit direktem Schmerz bestraft. Man lernt so recht schnell…

Session 2, Sonntag 7:00 – 11:00
Aufwärmboulder 2Wir verbrachten die Nacht im freien unter einem wunderschönen und sehr klarem Sternenhimmel. Gegen 7:00 Uhr morgends waren wir dann bereits wieder am Fels und versuchten uns an einer Highball-Sloperkante die sich als pervers schwer herausstellte und jeden Begehungsversuch nach wenigen Metern beendete. Dann wollte sich aber doch noch ein “Erfolg” einstellen und ich kletterte Top. So wie ich den Boulder begangen habe ist er aber wahrscheinlich nicht gedacht und brachte mich trotzdem an meine Grenzen. ManuViele Boulder bis Fb6c bescherten uns schöne Stunden bis wir die umliegenden Sektoren und Blöcke erkundenten um Projekte für die Abendsession zu sammeln. HandstandIn kürzester Gehentfernung lagen sie: Der Eine – eine grandiose Reibungsplatte mit grossem Sloperloch, hörte bei uns auf den Namen “Zyklop”, der Andere – eine leicht überhängende Wand hatte zwar keinen Namen und galt nur als “die 7b” versprach aber viel Spass. Die heissen Mittagsstunden verbrachten wir auf einer Wiese nähe unseres Schlaflagers in der Sonne und boulderten die Wiese in Form von Handständen aus.

Session 3, Sonntag 16:00 – 20:30
ZyklopFrisch gestärkt, aber mit etwas matschigen Köpfen gings nach der Sonnen-Mittagspause wieder hoch an den “Zyklop”. Nach wenigen Versuchen, aber nur mit neuen Schuhen konnte ich mir die Begehung sichern und die anderen zogen nach einigen Versuchen nach. Insgesamt auf jeden Fall der schönste, gemeinsame Boulder und ein super Reibungs – Stehproblem. Danach gings dann weiter an “die 7b”. Stehstart an einer Seitstellerleiste und überkreuz einen Tritt dagegen pressen, dann hochschnappen auf eine Schulterleiste. Schonmal gar nicht soo leicht, dann kam der Schlüsselzug: Füsse umstellen und absolut präzise auf einen Seitgriff hochschnappen. Zig Versuche später hielt ich den Seitgriff und dachte es sei gelaufen: Weeeeeit gefehlt! JanDie anschliessende Passage entpuppte sich als ganz schwer auszubouldernder Tür-Auf-Aufhock-Sloper-Horror. Nachdem ich bestimmt 5 mal oben rausgefallen war, hatte ich wenigstens ein gutes Bewegungsgefühl für den Schlüsselzug entwickelt, so dass der sehr zuverlässig klappte. Ein lichter Moment und die ohrenbetäubenden Anfeuerungsschreie liessen mich dann mein Programm umstellen und ich konnte wacklig die anschliessende Sloperpassage bis zum “Gipfel” schaffen. Meinen Siegesschrei spüre ich heute noch im Hals und auch Nicolas ist wohl etwas heiser. Im Nachhinein stellte sich “die 7b” als dünne Fb7c heraus! die 7b+Auf jeden Fall ist dies mein bisher schwerster Boulder, an dem ich am härtesten Arbeiten musste. Die Kombination aus Technik und absoluter Volllast der Muskeln ist einfach hammermässig! Leider klappte es bei Manu dann nicht mehr, so dass wir kurz nach meiner Begehung dann wieder zurück in den Hauptsektor zogen. Dort lieferte sich Jan noch ein erbittertes Duell mit dem Schmerz und einem Sprung an einen Sloper. Der Erfolg blieb zwar aus, der Ritterschlag zum Schmerzveteran ist aber in jedem Fall verdient!

Fazit:
Bouldern im Fichtel ist richtig gut, aber halt seeehr hautfressend. Maximal 2 Tage, wenn man vorsichtig ist. Die doch lange Fahrt ist schon nervig, besonders, da sich mehr Tage ja wg. der Haut nicht lohnen. Für 1-2 Trips im Jahr ists auf jeden Fall empfehlenswert, da die Qualität der Boulder einfach richtig gut ist. Besonders wenn man bedenkt, das Petrohardt nur etwa 70 Km weiter östlich liegt. Aber dazu bestimmt mehr zu einem anderen Zeitpunkt… :)

Ich habe alle Bilder – viele schlechte – hochgeladen, ihr findet sie hier: Fichtelgebirge Bouldertrip April 2007

p.s.: Sollte sich jemand Fragen, wo genau das Bouldergebiet liegt, wo man ein Topo bekommt, usw. dem empfehle ich folgende Lektüre:
Boulderappell und hoffe dass dieser Bericht nicht missverstanden wird.

Ähnliche Artikel:

3 Antworten zu “Bouldertrip ins Fichtelgebirge”

  1. tschaengo sagt:

    hmm, wie war das mit dem boulderappell ? anscheinend ist es ja bekannt.
    sowas ist auch eine veröffentlichung und ziemlich gefährlich in der heutigen zeit. wir wollen hier noch länger bouldern. also haltet euch ein bisschen zurück.

    Gruss

    Tschaengo (local)

  2. Andi Bauer sagt:

    heyhey!
    geile fotos!
    ich komm ja aus der gegend, aber die blöcke kenn ich noch net.
    interesse am wissensaustausch?

  3. Tom sagt:

    Gruß aus dem Fichtelgebirge

    Tom

Hinterlasse eine Antwort